SERIE: WASSER

Unsichtbare Verschwendung

Wasser ist längst nicht nur zum Trinken oder Waschen da. Es wird zur Herstellung fast aller Produkte verwendet und spielt im Lebenszyklus eine entscheidende Rolle: von der Gewinnung der Rohstoffe bis zur Entsorgung von Abfall.


Wussten Sie, dass in einem Auto 400.000 Liter Wasser stecken? Oder dass eine Tasse Kaffee mit rund 140 Litern Wasser, ein Computerchip mit 32 Litern und ein simples Blatt Papier mit zehn Litern zu Buche schlägt? Besonders „durstig“ ist nach Angaben des IHE Delft Institute for Water Education, das diese Werte errechnet, auch Rindfleisch: Durchschnittlich 15.500 Liter Wasser werden weltweit für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch in Intensivhaltung benötigt. Somit verbrauchen wir täglich deutlich mehr Wasser als jene 130 Liter, die wir dem Wasserhahn zum Trinken, Kochen, Waschen und für andere Alltagstätigkeiten entnehmen – in Wahrheit sind es rund 4.400 Liter, die Herr und Frau Österreicher pro Tag konsumieren. Nur, dass wir diesen versteckten Wasserverbrauch eben nicht sehen.     
„Virtuelles Wasser“ – so nannte 1995 der britische Geograf John Anthony Allen, der 2008 dafür mit dem Stockholmer Wasserpreis des Stockholm International Water Institute ausgezeichnet wurde, jenes Wasser, das für die Erzeugung von Produkten, die wir täglich nutzen und verbrauchen, verwendet wird. Arjen Hoekstra, Professor für Wassermanagement an der niederländischen Universität Twente, hat dieses Konzept weiterentwickelt: Aus der Menge an virtuellem Wasser, die in ein Produkt fließt, wurde der Wasser-Fußabdruck des Konsumenten beziehungsweise des Staates, der dieses Produkt nutzt.  

Drei Sorten von Wasser. „Wasser wird so gut wie für alle Stufen des Materialflusses gebraucht“, sagt dazu Mag. Lisa Kernegger, Ökologin bei der Umweltschutzorganisa-tion Global 2000. Und zwar vom Materialan- und abbau über Verarbeitung, Recycling bis zur Entsorgung. Bleiben wir beim Rindfleisch: Die erwähnten 15.000 Liter beziehen sich dabei zu 99 Prozent auf die Herstellung des Tierfutters, der Rest entfällt auf die Reinigung von Ställen und Schlachthöfen, Verarbeitung und Verpackung des Fleischs und gegebenenfalls den Transport.

Dieser Artikel erschien
November 2018. Vielleicht interessiert Sie auch: