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Wechselwillige im Kalkulationsdschungel

So mancher Stromanbieter lockt Wechselwillige mit extremen Rabatten im ersten Jahr. Wie nachhaltig die Angebote sind, ist auf den ersten Blick aber nicht ersichtlich. Schon im zweiten Jahr kann es erheblich teurer werden.


Der Ökostromhersteller MeinAlpenStrom wollte es wissen: Wie leicht ist es, sich durch unrealistische Erstjahresrabatte als billigster Anbieter an die Spitze des E-Control-Tarifkalkulators zu setzen. „Wir haben am 23. Jänner extra ein typisches Lockvogelangebot geschaffen“, erzählt Geschäftsführer Philipp Rehulka. Dafür wurde der generelle Arbeitspreis, elf Cent pro Kilowattstunde, weit nach oben geschraubt, und zwar über das jeweilige Niveau der einzelnen Landesversorger. Dass dieses als Basis gewählt wurde, hat einen einfachen Grund: Rund 70 Pro­zent der heimischen Stromverbraucher sind, so Rehulka, bei diesen Kunden. „Danach haben wir auf diesen Tarif einen Rabatt von 95 Prozent gegeben und sind als Bestbieter angezeigt worden“, erklärt Rehulka.

„Stromrebellen“ in Aktion. Der Grund für diese Aktion liegt im Motto, unter das der 2015 von Cord Prinzhorn, Chef der auf Papierverpackungen spezialisierten Prinzhorn Holding, gegründete Ökostromerzeuger das erste Quartal dieses Jahres gestellt hat: Es lautet „Stromrebellen“. „Wir wollen damit anprangern, was am Strommarkt nicht perfekt läuft“, sagt Rehulka. Wie eben die Tatsache, dass so mancher Anbieter mit Lockangeboten nach Wechselwilligen fischt. „Bei Billigstangeboten wird dem Kunden im ersten Jahr ein günstiger Tarif vorgegaukelt. Der Strom wird im ersten Jahr unter dem Niveau des Einkaufspreises verkauft“, erklärt der MeinAlpenStrom-Chef. Wie viel der Strom aber im Folgejahr kostet, kann oft nicht so einfach erkannt werden. „Die Anbieter setzen oft darauf, dass der Kunde nach Ablauf des ersten Jahres vergisst, wieder zu wechseln. Es soll aber auch Fälle geben, in denen Wechselwilligen der Umstieg erschwert wird“, so Rehulka. Insgesamt 75 Neukunden hat MeinAlpenStrom bei dieser Lockvogelaktion gewonnen. MeinAlpenStrom werde allerdings alle Neukunden nach elf Monaten darauf hinweisen, dass sie ihren Tarif ändern oder sich einen neuen Stromanbieter suchen sollen.

Dieser Artikel erschien
Mai 2018. Vielleicht interessiert Sie auch: