Keine Energiewende ohne Wärmewende

Vor allem in den Städten sind fossile Brennstoffe als Energieträger nach wie vor gang und gäbe. Der Umstieg der städtischen Wärmeversorgung von fossilen zu erneuerbaren Energien oder Abwärme gilt jedoch als wesentlich für das Erreichen der Klimaziele von Paris und Marrakesch.

Ohne städtische Wärmewende ist eine Energiewende nicht möglich“, bringt es Mag. Erwin Mayer, stellvertretender Geschäftsführer des Dachverbands Erneuerbare Energie Österreich, auf den Punkt. Während auf Stromseite die Pfade dank des verstärkten Einsatzes von Wind- und Sonnenenergie sowie Wasserkraft vorgegeben seien und die Wende daher realistisch scheine, sei man bei der Wärmeerzeugung gerade in (Groß-) Städten noch lange nicht so weit, ergänzt auch DI Dr. Peter Holzer, Geschäftsführer des Institute  of Building Research and Innovation (IBR&I). „Hier ist der Anteil fossiler Energielieferanten nach wie vor unglaublich dominant“, so Holzer.

Allerdings: Die Klimaschutzziele, zu denen etwa die Dekarbonisierung der Energie-versorgung binnen einer Generation sowie die Reduzierung der CO2-Emissionen um zwei Drittel gehören, können nach Ansicht der Experten nur dadurch erreicht werden, dass bei der städtischen Wärmeversorgung der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energieträger gelingt. „Vom Energiegehalt her ist die Wärmewende deutlich höher als die Stromwende“, so Mayer. Nach Angaben des Energieberichts der Stadt Wien werden in der Bundeshauptstadt 37 Prozent des Gesamtenergiebedarfs für Raumwärme und Warmwasser verbraucht. Europaweit entfallen 49 Prozent auf Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden. 

Teilerfolge sichtbar. Zwar gibt es auf dem Weg zur städtischen Wärmewende auch Teilerfolge wie etwa bei der Steigerung der Energieeffizienz. Die sich daraus erge-benden Vorteile würden jedoch durch Faktoren wie Bevölkerungswachstum, stei-gende Raumtemperaturen und die Tatsache, dass einfach mehr Räume als früher geheizt werden, aufgefressen. Außerdem sei auch im Sanierungsbereich noch viel Potenzial nach oben, liegt doch die Rate bei 1 bis 1,5 Prozent. „Wir bräuchten jedoch vier Prozent“, so Mayer, der als Ursache für das zögerliche Engagement neben steigenden Baukosten die derzeit günstigen Preise für fossile Energieträger nennt. „Viele Bauträger machen nur, was notwendig ist“, kritisiert der Experte.

Dieser Artikel erschien
März 2017. Vielleicht interessiert Sie auch: