Fördern und vernichten?

Wenn Äpfel am Baum verrotten und Kraut auf den Feldern vernichtet wird, dann macht das betroffen. Schuld sei der Russland-Boykott, heißt es, aber lässt sich das tatsächlich auf einen Grund reduzieren? Und macht es überhaupt Sinn zu fördern, wenn Erträge dann einfach vernichtet werden? So einfach ist es leider nicht, Verzweiflungsaktionen wie diese zu verstehen.


Die Geschichte ist komplex und das, was in Medien dazu vermittelt wird, trifft eigentlich die Problematik nicht ganz. Dem Problem liegt der Russland-Boykott nämlich nur in zweiter Linie zugrunde –     in erster Linie sind die mitunter stark schwankenden Erträge der Hauptgrund für verzweifelte Lösungsversuche wie die Vernichtung von landwirtschaftlichen Erträgen. Und so seltsam es anmuten mag: Maßnahmen wie diese ermöglichen das Überleben landwirtschaftlicher Betriebe. Wie das kommt, erklären Klaus Hraby von efko und DI Christian Jochum von der Landwirtschaftskammer Österreich.

Was bewirkt der Russland-Boykott?

Unter der Aufsicht von AMA-Kontrolleuren werden im Eferdinger Becken ganze Äcker voll reifen Krauts eingehäckselt. Äpfel verderben auf den Bäumen, weil sich keine Abnehmer finden. Verschärfend auf die bereits geernteten Obstmengen wirkt freilich die Tatsache, dass längst nicht nur Österreich betroffen ist, sondern die gesamte EU. Polnische Apfelbauern sind beispielsweise deutlich stärker von den Sanktionen betroffen als heimische.
„Es stimmt, Polen ist der größte Apfelproduzent der EU, ein Drittel wird dort angebaut, davon ging wiederum ein Drittel nach Russland“, bestätigt im Interview Rupert Gsöls, Präsident des Bundes-Obstbauverbandes. Diese Ware ist nun auf dem EU-Markt als Überschuss vorhanden. Österreichische Bauern exportieren gut die Hälfte ihrer Äpfel – „und da trifft jetzt unser Apfel auf den polnischen Apfel“, so Gsöls. Bis zu elf Millionen Tonnen können die EU-Bürger verputzen, ist mehr vorhanden – so wie jetzt –, dann beginnt auch innerhalb der EU ein Verdrängungswettbewerb. Dazu kommt die diesjährige Rekordernte. Fazit sind zwei Millionen Tonnen Äpfel zu viel. Der Rat von Gsöls wie auch von Politikern EU-weit: mehr Äpfel essen! Der deutsche Bundesagrarminister Christian Schmidt sprach sich dafür aus, den Absatz im In- und Ausland zu verstärken. Geeignet sei etwa das europäische Schulobst- und –gemüseprogramm, dass zu 100 Prozent mit EU-Geldern  gestützt werden solle, um dafür noch mehr Länder und Schulen zu gewinnen.

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Dieser Artikel erschien
2016-2015.