SERIE: NATÜRLICHE ALLESKÖNNER

Brenna tuat’s guat!

Hubert von Goisern besang freilich andere Dinge in seinem gleichnamigen Lied. Doch brennen kann auch die Brennnessel einigermaßen gut. Trotzdem ist das „Unkraut“ kein Tunichtgut, sondern ein natürlicher Alleskönner mit zahlreichen Einsatzgebieten, die heute mehr denn je geschätzt werden.


Speziell von Kindern werden Brennnesseln naturgemäß meist verschmäht. Kind-heitserlebnisse, als man beim Spielen in die Brennnessel fiel und dann angesichts der brennenden roten Quaddeln fortan alles mied, was dem nahe kam, tun ihres dazu. Dabei wissen wir heute noch viel mehr als früher, was das „gemeine“ Kraut alles kann.
Brennnesseln (Urtica) kommen fast weltweit vor und wachsen an halbschattigen bis sonnigen Standorten „wie Unkraut“, sie bilden Rhizome und pflanzen sich so unter-irdisch fort. Die grünen Pflanzenteile sind mit Brenn- und Borstenhaaren bestückt und geben der Pflanze ihren Namen. Diese Brennhaare auf Stängeln und Blättern bestehen aus Kieselsäure und beinhalten unter anderem Ameisensäure – und sie tragen die Schuld an den schmerzhaften, brennenden und juckenden Quaddeln, die bei Berührung entstehen. Je nach Art sind sie unterschiedlich stark wirksam. Gedacht sind sie ursprünglich als Schutz gegen Fressfeinde, die die Brennhaare genauso meiden wie wir Menschen.

Geschmackliche Überraschungen. Brennnesseln haben ihren Weg in die Küche schon vor langer Zeit gefunden. In unseren Breiten kennt die Großelterngeneration Brennnesselspinat nur zu gut, wurde er doch in kargen Kriegs- und Nachkriegszeiten gerne als Ersatz für „echten“ Spinat verwendet – und das aufgrund der reichen Inhaltsstoffe sehr gerne. Das tun Spitzenköche auch heute immer öfter, denn nun weiß man die wertvollen Inhaltsstoffe und feinen Geschmacksnuancen des Krautes aus anderen Gründen zu schätzen. Heute gelten Brennnesseln als wichtiger Bestandteil der gesunden Kräuterküche. In Tees, Kräutermischungen, aber auch schmackhaften Hauptgerichten findet sich das Kraut ohne brennende Nebeneffekte wieder. Ab August können auch die Samen mit ihrem nussigen Geschmack geerntet werden – sie gelten als trendiges Superfood.

Dieser Artikel erschien
April 2018. Vielleicht interessiert Sie auch: