MILCH: Freiwillige Mengenbegrenzung statt globale Exportträumereien

Heimische Milchbauern können aufgrund stetig sinkender Milchpreise kaum noch ihre Produktionskosten decken. Die Regierung setzt auf Soforthilfe.Die gemeinsame Suche nach einer „zukunftsorientierten Milchstrategie“ wird fortgesetzt.

Seit Anfang 2014 sind die Preise, die Österreichs Milchbauern bekommen, wieder einmal im Sinkflug. Diese dritte Milchkrise innerhalb der letzten sechs Jahre verschärfte sich im Vorjahr nochmals, nachdem die EU die bis dahin geltende Milchquote aufgehoben hatte, um den Milchmarkt zu liberalisieren.
Derzeit liegt der Preis, den die heimischen Bauern für einen Liter konventionelle Milch erhalten, unterhalb der 30-Cent-Marke und damit um dreißig Prozent unter dem Preis von vor zwei Jahren. In einigen Ländern wie Deutschland oder Spanien hat der Preis sogar schon die 20-Cent-Grenze unterschritten. Deutlich besser entwickelte sich im gleichen Zeitraum der Preis für Erzeuger von Spezialmilchprodukten. Für Bio-Milch etwa erhalten heimische Bauern zumindest noch rund 40 Cent.
Angesichts der vor allem für die bäuerlich kleinstrukturierten Familienbetriebe existenz-bedrohenden Perspektive tuckerten  im März Hunderte heimische Milchbauern mit ihren Traktoren vor das Haus der EU in der Wiener Innenstadt, um lautstark gegen eine aus ihrer Sicht falsche Agrarpolitik in Brüssel und Wien zu demonstrieren. Als einen fairen Preis für ihre Milch forderten sie „mindestens 47 Cent“, weil das aus ihrer Sicht „zum Überleben notwendig“ wäre.

Europaweite Überproduktion

Die Hauptschuld dieser Entwicklung liegt aus Sicht der demonstrierenden Bauern an der „politisch gewollten Überproduktion“ in Europa. „Mengen-begrenzung statt Exportträumereien“ lautete daher ihr Motto, das auf zahlreichen Transparenten zu lesen war. Die zuständigen EU-Gremien beurteilen die aktuelle Situation offenbar in ähnlicher Weise. Nicht von ungefähr hat der Europäische Ausschuss der Regionen (AdR) die nationalen Agrarminister aufgefordert, „dringend Maßnahmen zur Sanierung des Marktes zu ergreifen“, also die Milchproduktion zu begrenzen.

Dieser Artikel erschien
2016-2015.