Essen & Verantwortung: Wer stellt dabei die Weichen?

Wer kann und soll Verantwortung für Übergewicht und Adipositas übernehmen? Die Politik, die Wirtschaft, die Gesellschaft, jede und jeder Einzelne? Welche Rahmen-bedingungen braucht es dafür?

Die steigende Zahl der Betroffenen sowie die Therapie-Kosten für Folgeerkrankungen und eine zunehmende Gesundheitsorientierung in der Gesellschaft lassen diese Fragen immer wieder aufkommen. Das forum. ernährung heute lud Mitte September zum vierten „f.eh-Dialog“, um mit Vertretern der Ernährungswissenschaften, Medizinethik, Theologie sowie Politik und Wirtschaft intensiv zu diskutieren.
Wie sich ein gesunder Lebensstil entwickelt, ist nicht nur vom Einzelnen abhängig. Wir sind immer auch in ein System eingebettet, immer autonom und abhängig zugleich“, so Peter Reinecke, Präsident des f.eh. Demnach bedarf es einer Balance zwischen Eigenverantwortung und sozialer Solidarverantwortung, um Gesundheits-potenziale zu optimieren. Doch die Frage ist: Wer hat den größten Hebel in der Hand? Die Meinungen dazu divergieren je nach Weltbild und Einstellungen. Divergierende Meinungen prägten schließlich auch die Diskussionen an diesem Tag.
Ob und wie das Gesundheitsverhalten der Menschen verändert werden soll, wird sowohl in Fachkreisen wie in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Ein Ansatz, der gegenwärtig von vielen Experten als möglicher Konsens gesehen wird, ist das sogenannte Nudging. Alena Buyx, Medizinethikerin der Christian Albrechts Universität Kiel, macht sich dafür stark. Mit Nudging soll, vereinfacht gesagt, die Umwelt so verändert werden, dass die gesündere Wahl zur einfacheren Wahl wird. Gleichzeitig müssen dem Einzelnen aber alle Optionen offen bleiben. „Man darf das Individuum nicht zu etwas zwingen. Also, keine Steuern auf bestimmte Lebensmittel, keine Verbote. Der Einzelne muss die gleichen Entscheidungsmöglichkeiten haben.“

Dieser Artikel erschien
2016-2015.