Passivhaus-Standard für alle neuen Gebäude

Die zukünftige Energieeffizienz des Gebäudebestandes wird für das Erreichen der Klimaschutzziele und die Energiewende eine entscheidende Rolle spielen. Nachhaltigkeitsexperten sehen einen massiven politischen Handlungsbedarf.

Jedes Jahr werden in Österreich durchschnittlich 60.000 Wohneinheiten sowie Büro-, Gewerbe- und öffentliche Bauten mit einer gesamten Bruttogeschoßfläche von rund 6,38 Mio. Quadratmeter errichtet. Gemäß dem „Österreichischen Nationalen Plan“ gilt seit 1. Jänner 2016 eine Mindestanforderung an die Gesamtenergieeffizienz von Neubauten von maximal 180 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter und Jahr. Das entspricht lediglich der Energieeffizienzklasse C des Energieausweises. Nimmt man diese Werte als Berechnungsbasis, ergibt das einen zusätzlichen Primärenergiebedarf von

5.483 Gigawattstunden (GWh) bis zum Jahr 2020. Das entspricht fast der Hälfte der gesamten heimischen Wärmeproduktion aller thermischen Kraftwerke und der Fernwärme. 

Den in Paris ausverhandelten Klimaschutzzielen – unter anderem eine Reduktion der globalen Kohlen-dioxid-Emissionen auf nahezu null bis zum Jahr 2050 – komme man damit in keiner Weise näher, ganz im Gegenteil, kritisieren Experten und fordern ambitioniertere Vorgaben, idealerweise einen Passivhaus-Standard für alle neu errichteten Gebäude.

Derzeit sieht es allerdings nicht so aus, als ob dieser Wunsch in absehbarer Zeit in Erfüllung gehen wird. Zwar gibt die EU-Kommission vor, dass spätestens ab 2020 nur mehr nach „Nearly Zero Energy Building“-Standard gebaut werden darf, überlässt dabei den nationalen Gesetzgebern allerdings weit-gehend freie Hand, wie sie den Begriff „Nearly Zero“ für sich definieren. Diesen Freiraum scheint Österreich großzügig auszuschöpfen. Als nationale Zielsetzung wurde nach Brüssel gemeldet, ab dem Jahr 2020 eine Beschränkung auf 160 kWh/m² pro Jahr vorzugeben und das entspricht der Energieeffizienzklasse B. Für Ing. Günter Lang, Leitung Passivhaus Austria, ist das viel zu wenig, weil man damit nicht nur meilenweit von einem „Nearly Zero Energy Building“ entfernt sei, sondern auch deutlich hinter den technischen Möglichkeiten bliebe, die inzwischen etabliert sind und sich längst auch in der Praxis wirtschaftlich bewährt hätten. Lang bezieht sich dabei – wenig überraschend – auf den Passivhaus-Standard, womit sich der Primärenergiebedarf auf 60 bis 70 kWh/m² pro Jahr redu-zieren ließe.

Dieser Artikel erschien
2016-2015.