Wenn die Kasse zweimal klingelt

Neue Vorschriften werden oft gleich mal schlechtgeredet – ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass es Verbesserungsbedarf gibt, aber die Regelung über eine Aufzeichnung von Barumsätzen – die sogenannte „Registrierkassenpflicht“ – durchaus auch ihre Vorteile hat.

Die Registrierkassenpflicht wurde mit der Steuerreform 2015 von der österreichi-schen Bundesregierung beschlossen. Sie trifft alle Unternehmen, die mindestens 15.000 Euro Jahresumsatz erwirtschaften und deren Barumsätze 7.500 Euro überschreiten. Betroffen sind damit alle Betriebe, die primär Bargeldgeschäfte betreiben, also so gut wie jeder Betrieb aus dem Bereich Handel, Gastronomie und Dienstleistung. Als Barumsätze gelten nicht nur Barzahlungen im klassischen Sinn, sondern auch Zahlungen mit Bankomat- oder Kreditkarte sowie Gutscheine. Nur Rechnungen, die mittels Online-Banking oder Erlagschein bezahlt werden, gelten nicht als Barumsatz. Ausnahmen gelten für alle Betriebe, die unter die sogenannte „Kalte-Hände-Regel“ fallen, wie z.B. Marktfahrer oder Maronibrater. Hier gilt eine neue Netto-Umsatzgrenze von 30.000 Euro. Für das mobile Angebot an Dienstleistungen, wie etwa bei Masseuren oder Tierärzten, ist eine händische Aufzeichnung erlaubt, wenn nachher am Betriebsstandort die Beträge in das Kassensystem übertragen werden.    
Am Schauplatz. Eine telefonische bioMagazin-Blitzumfrage zeigt, dass die Branche dem Thema nicht unbedingt nur kritisch gegenübersteht und diese Vorteile auch erkannt hat oder – im besten Fall – gar nicht betroffen ist. So ist etwa der Bio Feigenhof in Wien voll pauschaliert und braucht sich daher darüber gar keine Gedanken zu machen. Stefan Riegler-Nurscher vom gleichnamigen Biohof in Niederösterreich (www.hanfwelt.at) zeigt sich gespalten: „Auf der einen Seite bin ich von der neuen Kassa total angetan, denn sie bringt uns wirklich eine Vereinfachung in der Buchhaltung. Die Daten sind laufend aktuell, der Kassaabschluss gelingt auf Knopfdruck, das spart uns Zeit, auch am Monatsende in der Buchhaltung“, so der Biobauer. Wenig erfreut zeigt er sich über die Motive hinter der Gesetzesänderung: „Wenn jemand den Unternehmen pauschal Steuerhinterziehung vorwirft, so finde ich das einfach nicht gerechtfertigt. Ich hatte vorher auch eine Registrierkassa, die aber nicht den neuen Anforderungen entsprach“, so Riegler-Nurscher.

Dieser Artikel erschien
2016-2015.