Bio statt Büro

Der Weg war gewissermaßen vorherbestimmt: Nach dem Studium der Agrarwissenschaften übernahm Anton Baldauf die elterliche Landwirtschaft in Kirchdorf in Tirol. Aber unbedingt mit dem gewissen Etwas! Carmen Hafner hat ihn und seine Familie besucht, um einen kleinen Eindruck vom Alltag auf seinem Biobauernhof zu erhaschen.

Es ist Montagmorgen, kurz vor 9.00 Uhr, als ich das Ortsschild des kleinen Dorfs in den Kitzbühler Alpen passiere. Der vorhergesagte Regen lässt sich hier noch nicht blicken. Von den unerwarteten wärmenden Sonnenstrahlen fühle ich mich äußerst wohlwollend empfangen. Ein paar Kilometer nachdem die schroffen Berge nach Lofer und dem kleinen deutschen Eck wieder etwas weiter auseinanderrücken, biege ich mit dem Auto über eine kleine schmale Brücke, um direkt vor Hüttschaders Biogemüse-Hof anzukommen. Um ein Haar hätte ich die Zufahrt nicht als solche erkannt. Ich parke und sehe mich ein wenig um. Noch weiß ich nicht, dass ich mit Toni nach einen unverkennbaren Charakter Ausschau halte, der seinesgleichen sucht.

Internationaler Einfluss trifft auf Tradition

Nina, die junge Bäuerin und Tonis Freundin, begrüßt mich herzlich und führt mich gleich zu einer gemütlichen Sitzgelegenheit vorm Haus. Und da kommt er auch schon, der Toni. Er tritt ganz und gar nicht in Erscheinung, wie man sich einen traditionellen Tiroler Landwirt vorstellt: Er ist ein legerer Typ Mann, wie alt mag er wohl sein, Anfang Dreißig, mit langen Dreadlocks und einem gewinnendem Lächeln.
Die Weltoffenheit erkennt man auf Hüttschaders Biohof nicht nur an der Haarpracht des Hausherren oder der englischen Arbeitssprache mit ihrem Angestellten. Eine Slackline ist gleich vor dem Haus gespannt. Dort vorbei führt der Weg zum Garten, den Gewächshäusern und den Gemüsebeeten, die sich auf 1,1 Hektar Ackerfläche auf der Ebene zwischen den Tiroler Bergen erstrecken. Hier offenbart sich die wahre Vielfalt: Pak Choi wächst neben den Karotten, Karfiol und Artischocken treffen auf Sortenraritäten. So z.B. die „Hosbohn“, eine alte Tiroler Bohnensorte, die traditionell mit Kartoffeln, Butter, Käse und einem Glas Milch gereicht wird und der Toni bereits seine Abschlussarbeit an der Uni gewidmet hat. Dann gibt es dieses Jahr ganz neu sogar Erdmandeln und italienischer Hirschhornwegerich wartet auf seinen salzig schmeckenden Einsatz in Smoothie oder Salat.

Dieser Artikel erschien
2016-2015.