MEHR VERKEHR

Eine einfache Gleichung

Mehr Straßen bedeuten immer mehr Verkehr. Um die Klimaziele wirklich zu erreichen, sollte der Neu- und Ausbau von Straßen künftig der Vergangenheit angehören.


Die Zeit drängt: „Österreich hat nur noch 18 Jahre Zeit, um das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2040 zu erreichen“, sagt Mag. Christian Gratzer, Sprecher der Mobilitätsorganisation VCÖ. Würde man so weiter machen wie bisher, würde das CO2-Budget jedoch maximal bis zum Jahr 2028 reichen. Denn der CO2-Ausstoß Österreichs liegt mit mehr als neun Tonnen pro Kopf über dem Durchschnitt der EU-Staaten und ist damit doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt.

Verlagerung auf die Schiene nötig. Dabei spielt der Verkehr eine nicht unbedeutende Rolle, entfallen doch rund 30 Prozent der heimischen Treibhausgasemissionen auf diesen Sektor. Im Vorjahr verursachte der Verkehr dem VCÖ zufolge um 49 Prozent mehr CO2 als im Jahr 1990, für heuer geht er davon aus, dass der Verkehr um mindestens 60 Prozent über dem Wert von 1990 liegen wird. „Wir können also die Klimaziele nur erreichen, wenn künftig mehr mit öffentlichem Verkehr und Fahrrad und weniger mit dem Auto gefahren wird. Beim Gütertransport ist eine starke Verlagerung auf die Schiene nötig“, sagt Gratzer. Die mit dem Pkw zurückgelegten Personenkilometer müssten demnach bis 2040 um rund ein Viertel im Vergleich zum Jahr 2018 reduziert werden, wie Berechnungen des Umweltbundesamtes und weiterer Fachleute zeigen.
Im gleichen Zeitraum müsste der Anteil der mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahrenen Kilometer von 27 auf 40 Prozent erhöht und der Anteil der aktiven Mobilität von drei auf sechs Prozent verdoppelt werden. Bezogen auf die zurückgelegten Wege bedeutet das, dass der Anteil des öffentlichen Verkehrs von 16 auf 23 Prozent und der Anteil von Gehen und Radfahren von 23 auf 35 Prozent steigen sollte. Gleichzeitig sollte der Anteil der Autofahrten von 61 auf 42 Prozent reduziert werden, um tatsächlich im Jahr 2040 klimaneutral zu sein.

Straßen erzeugen Begehrlichkeiten. Die Verlagerung von Auto- und Lkw-Fahrten auf klimaverträglichere Verkehrsmittel ist auch DI Dr. techn. Hermann Knoflacher, Professor emeritus am Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der TU Wien, ein Anliegen. Erreicht werden könne das jedoch nur durch einen Stopp des Neu- und Ausbaus von Straßen.

Weiter geht es in der aktuellen Print-Ausgabe.

Dieser Artikel erschien
02_22. Vielleicht interessiert Sie auch: