WISSENSCHAFT

Grüne Chemie?

Was die zentralen Merkmale einer Grünen Chemie sind, warum Österreich eine eigene Plattform dafür etablieren will und welche Zielsetzung die Politik damit verfolgt, darüber sprachen wir mit dem Initiator der Plattform, MR Mag. Dr. Thomas Jakl.


Was verstehen Sie unter dem Schlagwort „Grüne Chemie“?
JAKL:
Die US-Wissenschaftler Paul Anastas und Bob Warner von der EPA, der Environmental Protection Agency, haben schon vor einem Jahrzehnt zwölf Grund-prinzipien für die klassische Grüne Chemie formuliert. Darin geht es vor allem um technologische Verfahren bei der Produktion und bei der Anwendung von Chemikalien, die auf eine Minimierung des Ressourceneinsatzes zielen und gleichzeitig auf eine Optimierung der toxikologischen Eigenschaften. Noch weiter vertieft geht es der Grünen Chemie zudem um eine möglichst regenerierbare Ressourcenbasis, was heißt: Chemikalien sollen während ihrer Produktion und Anwendung einen möglichst geringen Anteil an fossilen oder nicht-regenerativen Ressourcen aufweisen.
Neben der Ressourceneffizienz, die sowohl energetische als  auch stoffliche Ressourcen umfasst, spielt auch der Begriff der Strukturerhaltung eine wesentliche Rolle. Gemeint ist damit der Versuch, möglichst viel von der Syntheseleistung, die die Natur bereits vorgenommen hat, in der Verarbeitung und Verwertung chemischer Substanzen zu erhalten. Ziel sollte es also nicht sein, Moleküle bis zu den einzelnen Bauteilen einer Struktur herunter zu cracken, sondern die vorhandene Struktur auch möglichst zu erhalten.
Eine solche Strukturerhaltungseffizienz beginnt beim Einsatz intelligenter Synthese-verfahren. Österreichs Wissenschaftler  des Jahres, Professor Dr. Nuno Maulide, Leiter des Instituts für organische Chemie an der Universität Wien, arbeitet intensiv an effizienten Syntheseschritten, die möglichst gut ineinandergreifen und möglichst wenig Strukturverlust bedingen. Er hat erst vor wenigen Wochen auch ein Christian-Doppler-Labor bekommen, wo über Entropie geforscht wird, eine Maßzahl für Ordnung und Strukturerhaltung. Sie ist für Maulide eine wesentliche Größe für die Qualität von Synthesevorgängen: Je geringer das Entropie-Niveau, desto optimaler sind Strukturerhaltung und Strukturnutzung.

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02_20. Vielleicht interessiert Sie auch: