WORK-LIFE-BALANCE

Stress lass nach!

Ab 1. September darf pro Woche 60 Stunden gearbeitet werden. Grundlage ist das neue Arbeitszeit-gesetz, das die Höchstarbeitszeit pro Tag auf 12 Stunden erhöht. Dem persönlichen Stress im Job rechtzeitig vorzubeugen wird damit an Bedeutung gewinnen.


Über mehr Freiheit freuen sich ob der neuen Regelung die einen, einen Einschnitt in die Demokratie sehen darin die anderen. Welche Auswirkungen auf die persönliche Belastung des Einzelnen zu erwarten sind, wurde bei der Gesetzwerdung – im Sinne von „Health in all Policies“ – nicht konkret evaluiert. Das scheint auch nicht dringend notwendig, denn Forschungsergebnisse zu Stress, Arbeits-belastung und Leistungseinschränkungen liegen bereits ausreichend vor und sind schon seit über 20 Jahren immer wieder zentrales Thema  in der betrieblichen Gesundheitsförderung.         
Auch der Fehlzeitenreport, der regelmäßig vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger publiziert wird, zeigt auf, dass  psychische Belastungen am Arbeitsplatz durch Überforderung immer häufiger ein Thema sind. Eigene Programme, um Mitarbeiter möglichst lange gesund im Arbeitsprozess zu behalten oder wieder gut einzugliedern, wenn sie krank waren, sind vorhanden. Spezieller Fokus liegt angesichts der demografischen Entwicklung auf älteren Arbeitnehmern und ihren besonderen Um-ständen, wie etwa der rascheren Ermüdung, der sinkenden Konzentrationsfähigkeit oder der geringe-ren körperlichen Belastbarkeit.

Arbeitsmediziner warnen. „Eine Flexibilisierung für einen 12-Stunden-Tag kann gesundheitliche Probleme mit sich bringen“, ist Dr. Erich Pospischil, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin, überzeugt und betont, dass es über gesundheitliche Schäden, die durch zu lange Arbeitszeiten entstehen, ausreichend wissenschaftliche Belege gibt. So fällt zum Beispiel auf, dass das Risiko für Schlaganfälle in der Gruppe, die mehr als 55 Stunden pro Woche arbeitet, zu­nimmt. Im Jahr 2017 kam eine Forschergruppe zum Ergebnis, dass Menschen mit langen Arbeitszeiten ein bis zu 40 Prozent erhöhtes Risiko eines unregelmäßigen Herzrhythmus, des sogenannten Vorhofflimmerns, haben.

Dieser Artikel erschien
Oktober 2018. Vielleicht interessiert Sie auch: