FASERN AUS FASERN

Der Zukunft neue Kleider

Nicht nur Veganer fordern Alternativen zu Leder, Tierschützer meiden Pelz und Recycler nutzen ausgediente Plastikplanen. Die Vielfalt ist noch viel größer und manchmal auch mehr als erstaunlich. Die Stoffe der Zukunft heißen Milch, Pilze, Holz oder Algen.


Zunehmender Wohlstand trägt seinen Teil dazu bei, dass wir unsere Kleidung in immer kürzeren Zeit­abschnitten tauschen – nicht weil sie kaputt wären, sondern weil sie schlicht und einfach out sind. So hat sich der Chemiefaserverbrauch seit 1992 verdreifacht, der von Baumwolle ist um ein Drittel gestiegen. Der hohe Wasserbedarf von rund 10.000 Litern für ein Kilogramm Baumwollstoff trägt nicht gerade dazu bei, den klassischen Textilrohstoff als Zukunftschance zu sehen – zudem werden jede Menge Pestizide dafür eingesetzt. Erdöl als Basis für Kunstfaser hat ebenfalls ein grobes Imageproblem und ist zudem ein bedrohtes Gut, schwer recycelbare Kunst-stoffe haben kein Zukunftspotenzial. Die Hoffnung, einen Rohstoff zu finden, der im Übermaß vorhanden, billig und leicht zu verarbeiten ist, lebt daher nach wie vor. Forscher weltweit sind auf guten Wegen, setzen dabei aber auf die unterschied-lichsten Ausgangsmaterialien.

Rohstoff Holz. Weltweit federführend und von der Konkurrenz mit Argusaugen beobachtet ist die Lenzing Gruppe. Aus einer Mühle zur Herstellung von hand-geschöpftem Papier aus Alttextilien entwickelte sich am Originalstandort in Oberöster-reich ab 1892 die erste Zellstoff- und Papierfabrik. Das Viskosefaserwerk überstand den Krieg relativ glimpflich und wuchs stetig. Nach mehrjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit kam Mitte der 1960er-Jahre dann die erste Hochmodulfaser von Lenzing auf den Markt, Vorläufer der heutigen Lenzing Modal. Ab Ende der 1960er wurde das bis heute bahnbrechende Konzept der Bioraffinerie weiterentwickelt. Die Schließung von Chemikalien-Kreisläufen war dabei ebenfalls einem wachsenden Umweltbewusstsein geschuldet. Seit 1990 setzt Lenzing auf die Lyocell-Technologie, strategische Managemententscheidungen führten schließlich dazu, dass Lenzing um den Markennamen TENCEL™ bereichert wurde.


Dieser Artikel erschien
November 2018. Vielleicht interessiert Sie auch: