FAIRTRADE

Wie fair ist fair?

Gütesiegel geben Orientierung, ob auch drinnen ist, was drauf steht. Das gilt besonders im Bereich der Nachhaltigkeit und sozialer Standards. Konsumenten greifen lieber zu zertifizierten Produkten, weil sie sich darauf verlassen wollen, dass diese Produkte nicht bloß ein grünes oder soziales Mascherl tragen und damit verbundene Versprechen ernst genommen werden.


Bei FAIRTRADE-Produkten steht das Zeichen für Waren, die aus fairem Handel stammen, das heißt, bei der Herstellung werden bestimmte soziale, ökologische und ökonomische Kriterien eingehalten. Gerade die sozialen Kriterien von FAIRTRADE sind immer wieder Gegenstand von Kritik. Wir haben dazu bei Mag. Hartwig Kirner, Geschäftsführer, FAIRTRADE Österreich, nachgefragt.

Fairtrade verbürgt sich für eine Reihe von sozialen Standards in den Produzentenländern. Was ist das Ziel?

Grundsätzlich wollen wir das Bewusstsein für die sozialen Aspekte in der Lieferkette schärfen. Das FAIRTRADE-Siegel steht für fair angebaute und gehandelte Produkte. Wir haben dabei zwei Standards für Kleinbauernkooperativen und Beschäftigte auf Plantagen: Der Kleinbauernstandard konzentriert sich auf Mindestpreise und Prämien. Das ermöglicht den Kleinbauernkooperativen stabilere Preise sowie langfristigere Handelsbeziehungen.
Der Plantagenstandard zielt hingegen auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Arbeiterinnen und Arbeitern ab. Er lehnt sich an die ILO Kernarbeitsnormen an. Beide Standards sollen demokratische Strukturen stärken und gewerkschaftliche Versammlungsfreiheit gewährleisten.

Kleine Bohne, große Wirkung – warum sind gerade Kaffeebauern besonders von Armut betroffen?

Kaffee ist das wichtigste Agrargut im globalen Nord-Süd-Handel und nach Erdöl weltweit der zweitwichtigste Exportrohstoff. Kaffee als ein ehemaliges „Kolonial-produkt“ zeigt die unfairen Bedingungen am Weltmarkt besonders gut auf und ist der Pionier unter den FAIRTRADE-Produkten. Bereits seit 1993 ist Kaffee mit dem FAIRTRADE-Siegel in Österreich erhältlich.

Dieser Artikel erschien
November 2017. Vielleicht interessiert Sie auch: