VERTICAL FARMING

Der Drang nach oben

Unsere Landwirtschaft ist in der Bredouille. In ihrer derzeitigen Form wird sie uns irgendwann in absehbarer Zukunft nicht mehr ernähren können. „Vertical Farming“, der mehrstöckige Indoor-Anbau landwirtschaftlicher Produkte, gilt als vielverspre-chendes, wenn auch noch nicht gänzlich ausgefeiltes Zukunftskonzept. Ernten wir künftig im Wolkenkratzer nebenan?


Schon seit Jahren warnen Wissenschaftler davor, dass neue Wege in der Land-wirtschaft gesucht werden müssen, um die Versorgung der stetig steigenden Welt-bevölkerung auch in Zukunft sichern zu können. Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde derart überstrapaziert, dass er für die Landwirtschaft keine brauchbare Treffsicherheit mehr hat, denn es reicht nicht mehr, für uns Bewohner der reichen Industrieländer genug Nahrung zu produzieren. Wir müssen auch dem Klimawandel entgegenhalten, den steigenden Energiebedarf in den Griff bekommen und dafür sorgen, dass in den ärmeren Ländern auf lokaler Ebene genug Nahrung zur Verfügung steht. Wir verbrauchen zu viel Wasser und sorgen für jede Menge Treibhausgase. Im Zentrum der Bemühungen rund um landwirtschaftliche Innovationen steht jedoch der Boden.

Viele Ideen, wenige Lösungen. Visionäre wie der Landwirt Paul Kaiser aus Kalifor-nien haben Modelle entwickelt, die mit weniger Maschineneinsatz, weniger Dünger und weniger Wasser auskommen, aber dafür mehr Schatten, mehr Kompostierung und mehr Einsatz von Gewächshäusern benötigen und den Ernteertrag somit an-geblich um ein Vielfaches erhöhen. Fleisch wird im Labor gezüchtet, um die intensive Viehwirtschaft irgendwann wenigstens zum Teil obsolet zu machen; Algen sollen in Zukunft ebenfalls zu pflanzlichen Lebensmitteln weiterverarbeitet werden. Die Gen-technik versucht – gegen den lautstarken Protest vieler Menschen – seit Jahren, einen höheren landwirtschaftlichen Ertrag zu garantieren, indem Pflanzen resistenter gegen negative Einflussfaktoren gemacht werden. Roboter bearbeiten Felder, um punktgenau Saatgut, Dünger, Pflanzenschutzmittel und Wasser auszubringen, und entnehmen laufend Bodenproben, Drohnen „versorgen“ schwer zugängliche Felder, um den Ertrag zu erhöhen.

Dieser Artikel erschien
Mai 2018. Vielleicht interessiert Sie auch: