HÄUSER AUS MÜLL?

Second Life am Bau

Bei der Renovierung, Sanierung oder dem Abbruch von Häusern fallen erhebliche Mengen an Abbruchmaterial an. Statt dieses einfach zu entsorgen, wird es möglichst hochwertig recycelt und wiedereingesetzt.

Rund 9,5 Millionen Tonnen Bauschutt und Co. fallen pro Jahr auf heimischen Baustellen an. „Nimmt man den Erdaushub dazu, kommen zwei Drittel des gesamten Abfalls aus dem Bau“, sagt DI Martin Car, Geschäftsführer des Österreichischen Baustoff Recycling Verbandes. Wiederverwertung wird dabei großgeschrieben: Schon jetzt wird ein Gutteil der anfallenden Baurestmassen in Recyclinganlagen behandelt und verwertet, die Recyclingquote liegt bei 80 Prozent. „Damit liegt Öster-reich europaweit im Spitzenfeld“, so Car. Laut EU-Abfallrahmenrichtlinie müssen bis 2020 in allen EU-Ländern mindestens 70 Prozent der nicht gefährlichen Bau- und Abbruchabfälle wiederverwendet oder dem Recycling zugeführt werden. Wiederverwertet werden hierzulande vor allem Beton, Mauerwerk und Asphalt, also die mineralischen Baustoffe. Komplexe Hochbaurestmassen werden unter anderem zu Qualitätsbaustoffen verarbeitet, Betonrestmassen bilden die Basis für hochwertige Baustoffe.

Einsatz im Tief- und Hochbau

Die Rückführung von Materialien in den Stoffkreis-lauf findet im Bauwesen auf unterschiedlichste Weise statt: „In erster Linie werden die so gewonnenen Materialien für Tragschichten im Tiefbau, beim Damm- und Kanalbau verwendet“, beschreibt Car. Aber auch in der Asphalt- und Betonproduk-tion kommen sie zum Einsatz – etwa fünf bis zehn Prozent des Recyclingmaterials sind dort zu finden. Gelegentlich werden im Hochbau sogar ganze Bauteile, etwa aus Beton, wiederverwertet. Steine, alte Ziegel, Holzbalken, aber auch Türen, Böden und anderes werden hingegen von privaten Häuslbauern gerne verwendet. Recycelte Baustoffe landen jedoch nicht immer nur wieder auf Baustellen – so findet sich Ziegelsplitt fein zermahlen etwa als Sand auf Tennisplätzen. Andererseits kommen bei Gebäuden durchaus auch Recyclingmaterialien zum Einsatz, die ursprünglich keine Baustoffe waren, etwa aus Altglas gefertigte Fassadenpaneele oder Dämmstoffe aus Altpapier.

Dieser Artikel erschien
Mai 2017. Vielleicht interessiert Sie auch: