BIOLOGISCHE LANDWIRTSCHAFT

Bio oder nicht? Das ist die Frage!

Erstmals seit einigen Jahren steigt heuer wieder die Zahl der Bio-Bauern in Österreich. Welche Motive haben Bio-Landwirte aus-, auf- oder umzusteigen und wie konventionell sind ihre Einstellungen?

Von Bio wieder auf die konventionelle Landwirtschaft umsteigen? Für Roman Bayer ist das unvorstellbar. Vor rund zehn Jahren hat er seinen Betrieb in Falkenstein bei Poysdorf in Niederösterreich auf Bio umgestellt. Seither werden auf 125 Hektar Ackerfläche Kürbis, Weizen, Mais, Sonnenblumen und Zuckerrüben sowie Hanf nach den strengen Vorgaben der ökologischen Landwirtschaft angebaut. „Bio passt gut zu kleineren Betrieben“, sagt Bayer. Vor allem dann, wenn man auf Nischen setze – so wie er mit dem Hanf, der heuer zum ersten Mal angebaut wird.
Ökologische Landwirtschaft sei aber nicht nur von den Produkten her kreativ, findet der Landwirt: „Man muss beispielsweise im technischen Bereich manches selbst entwickeln, wie etwa Geräte zum Entfernen von Unkraut.“ Dass man sich darüber hinaus mehr als in der konventionellen Landwirtschaft mit dem Boden und dessen Bedürfnissen sowie mit der Frucht auseinandersetzen, sich gleichsam in beide hineindenken müsse, sei ein weiterer spannender Aspekt. „Man muss auf den Boden aufpassen. Geht was schief, kann man das nicht reparieren“, erklärt der Landwirt.

Eine Bestätigung für seinen Weg sieht er auch in der steigenden Nachfrage nach Bio-Produkten. Der Gesamteinkaufswert der biologischen Lebensmittel in Österreich lag 2015 – neuere Daten liegen bisher nicht vor – bei rund 1,38 Milliarden Euro. Darauf entfielen laut AMA Marketing 1,01 Milliarden Euro auf den Lebensmitteleinzelhandel mit einem Bio-Marktanteil von sieben Prozent, 290 Millionen Euro auf Direktvertrieb und Fachhandel (22,5 Prozent Bio-Marktanteil) sowie 80 Millionen Euro auf die Gastronomie (1,8 Prozent Bio-Marktanteil). Doch nicht alle Bio-Landwirte denken so wie Bayer: Immerhin rund 1.560 Landwirte haben sich im Jahr 2015 dem Grünen Bericht 2016 des Landwirtschaftsministeriums zufolge vom Bio-Acker gemacht. Rund 620 davon haben den Betrieb gänzlich aufgegeben, der Rest hat wieder auf konventionelle Landwirtschaft umgestellt. 

Dieser Artikel erschien
Mai 2017. Vielleicht interessiert Sie auch: