Vom Tischlern und den Rindern

Oder: Warum eine Teilzeit-Landwirtschaft die perfekte Ergänzung zu einem selbstständigen Handwerksberuf sein kann. Carmen Hafner hat für uns am oberösterreichischen Kohlenerhof nachgefragt.

Weshalb man das genau dort herausfinden kann? In Prandegg, etwa zehn Kilometer von der nächsten Ortschaft entfernt, leben Jakob und Gundi Kiesenhofer mit ihrer kleinen Tochter Anna. Der Tischlermeister, 43, und seine 30-jährige Frau, eine Agrarwissenschaftlerin, haben den für sich idealen Mittelweg entdeckt. 

Hof und Tischlerei. Wer Jakob Kiesenhofer kennenlernt wird rasch feststellen: Dieser Mann ist ein Unikat. Der offene, quirlige Mühlviertler vermag es, mit exakt der gleichen Begeisterung in der Stimme von seinen einzigartigen Werkstücken aus Holz zu schwärmen, mit der er auch von seinem Vieh erzählt. Was nach einer ungewöhnlichen beruflichen Kombination klingen mag, findet bei den Kiesenhofers zu gleichen Teilen Platz    im täglichen Leben. Der Landwirt ist nämlich einerseits selbstständiger Tischler und erzeugt in seiner Holzmanufaktur bodenständige, aber außergewöhnliche Möbelstücke wie etwa Tische aus den Relikten der abgerissenen Linzer Eisenbahnbrücke. Und zusätzlich bewirtschaftet er mit seiner Frau den Hof, den er von den Eltern übernommen hat. Eines steht jedenfalls bei beidem im Vordergrund: Das starke Bewusstsein für Qualität. 

Jakob und sein Jakobe Rind. Als Möbelbauer legt Jakob das Hauptaugenmerk auf die Herstellung von hochwertigen Tischen, um diese in den Mittelpunkt der Wohnkultur zu setzen. Das Reden miteinander, die direkte Kommunikation an heimeligen Plätzen möchte er damit fördern. Auch in der Landwirtschaft ist der redselige Handwerker auf beste Ergebnisse aus, selbst- verständlich unter für Mensch und Tier idealen Bedingungen. Gewitzt, wie er ist, kreierte er kurzerhand sein eigenes biologisches Jakobe-Rind in Anlehnung an das japanische Kobefleisch. Weil die Reinzucht von Wagyu-Rindern sehr zeit- und kostenintensiv ist, entschloss er sich zu Kreuzungen herkömmlicher Kuhrassen mit Wagyu-Stieren. Ihr Fleisch ist weniger fett, gleichzeitig aber für die Kunden sogar um einiges günstiger. Dabei wäre all das um ein Haar gar nicht zustande – und die vielen Kunden um ihr Fleisch, die Salami, den Rohschinken und um ihr köstliches Rillette, einen speziellen Fleischaufstrich, gekommen.

Dieser Artikel erschien
März 2017.