ALTERNATIVER ANTRIEB

E-Fuels: Machbar, aber teuer

Synthetisch hergestellte Treibstoffe haben gegenüber konventionellen Kraftstoffen (Diesel, Benzin, Kerosin etc.) grundsätzlich viel Potenzial. Die Preise sind derzeit allerdings alles andere als konkurrenzfähig.

Benzin aus Erdöl könnte bald überflüssig werden. Weltweit arbeiten Wissenschaftler mit Hochtouren an der nächsten Generation von nachhaltigem, synthetisch hergestelltem Sprit. Noch stammt der derzeit in der  EU verfahrene Biokraftstoff zum Großteil aus Raps. Aber auch Zuckerrüben, Mais und Weizen dienen als Rohstoff dafür – aus ihnen wird Ethanol hergestellt. Geht es nach dem Willen der EU-Kommission sollen allerdings Futter- und Lebensmittel bis 2030 sukzessive durch andere nachwachsende Rohstoffe wie Stroh oder Holz ersetzt werden. Aber es geht noch besser: Die dritte Generation synthetischer Kraft-stoffe von Benzin über Diesel  und Gas bis zu Kerosin kann aus Wasserstoff und CO2 hergestellt werden. Während ersteres mittels verschiedener Verfahren wie beispielsweise Elektrolyse aus Wasser, Methanol oder Biomasse gewonnen wird, stammt das CO2 aus der Atmosphäre oder Industrieprozessen. Mithilfe von Synthese wird dieser Wasserstoff schließ-lich in Benzin, Diesel, Gas oder auch Kerosin umgewandelt.

Klimaneutral

Die Vorteile liegen auf der Hand: „Diese synthetischen Kraftstoffe könnten die herkömmlichen ergänzen oder ganz ersetzen“, sagt Prof. Dr. Bernhard Geringer, Leiter des Instituts für Fahrzeugantrieb und Automobiltechnik an der TU Wien. Und das, ohne großartige Umrüstungen oder neue Antriebsmöglichkeiten zu erfordern. Auch das bestehende Tank-stellennetz könnte weiter genützt werden. Dazu kommt noch, dass E-Fuels klimaneutral sind. „Bei der Herstellung wird so viel CO2 aus der Atmosphäre beziehungsweise der Biosphäre entnommen, wie später bei der Verbrennung freigesetzt wird“, erklärt Geringer. Wird bei den Umwandlungsprozessen erneuerbare Energie eingesetzt, trägt das ebenfalls zur Klimaneutra-lität bei.        
„Studien zufolge wird außerdem der Ausstoß beispielsweise von Rußpartikeln um etwa 96 Prozent verringert“, sagt Prof. Dr. Ing. Stefan Pischinger von der RWTH Aachen University vor Kurzem beim 39. Internationalen Wiener Motorensymposium. Und noch etwas sollte bedacht werden: „Synthetische Treibstoffe, die in Europa produziert werden, würden auch die Wertschöpfung in Europa belassen, zusätzlich tausende Arbeitsplätze schaffen und die fragwürdige Rohstoffförderung in Afrika vermeiden“, so argumentiert Claudia Schmidt, ÖVP-Verkehrssprecherin im Europäischen Parlament.

Dieser Artikel erschien
Juli 2018. Vielleicht interessiert Sie auch: