
Vor etwas mehr als 100 Jahren sind in Europa die ersten elektrischen Außenbeleuchtungsanlagen in Betrieb gegangen. Inzwischen sind es tausende Lichtquellen, die Nacht für Nacht unsere Umwelt ins „rechte Licht rücken“. Diente das Licht ursprünglich ausschließlich dem Bedürfnis des Menschen nach Sicherheit, Schutz und Orientierung, so ist es längst zu einem verschwenderisch eingesetzten Symbol für unsere Luxus-, Konsum- und Freizeitgesellschaft geworden. „Non-Stop“, „rund um die Uhr“, „24 Stunden Action“ – damit locken uns Urlaubsangebote und Vergnügungsparks. Gesund ist das nicht, warnen immer mehr Wissenschaftler.
Seit Millionen von Jahren ist Licht unser ursprünglicher Rhythmusgeber, sagt der Chronobiologe Franz Hölker, Leiter des interdisziplinären deutschen Forschungsprojektes „Verlust der Nacht“: „Alle Organismen auf der Erde, inklusive uns Menschen, Pflanzen und Tiere, haben sich evolutionär an eine bestimmte Nachtsituation angepasst: Es war dunkel, es war fast stockdunkel, nur eben natürliches Licht durch den Mond und die Sterne existierte. Doch durch die Neustrukturierung der Nachtlandschaften in den letzten 30, 40 Jahren haben wir eine ganz neue Situation geschaffen.“ Und diese sorge nicht nur für Desorientierung, sondern belaste auch den ursprünglichen Biorhythmus von Tier und Mensch.