
Um es mit Altbundeskanzler Fred Sinowatz kompakt auf den Punkt zu bringen: „Es ist alles sehr kompliziert.“ Wer sich heute aufmacht, um das Thema der öffentlichen Ladeinfrastruktur für E-Autos zu recherchieren, landet fast automatisch im Dickicht umfangreicher wissenschaftlicher Studien und hat auch gleich noch ein Bein mitten im Hickhack zwischen politischen und wirtschaftlichen Interessen. Nur soviel ist klar: Geforscht wird jede Menge, im Alltag sieht man davon derzeit aber noch wenig.
Der Status quo aufseiten der Autoindustrie sieht so aus: Mittlerweile haben einige Hersteller Elektroautos nicht mehr nur ausschließlich für institutionelle Firmenkunden, sondern auch für Privatpersonen im Programm. Renault bietet den Fluence, Nissan den Leaf; Mitsubishi, Citroën und Peugeot vermarkten den i-MieV mit geringen optischen Retuschen gleich dreifach (C-Zero, iOn). Die von den Herstellern angegebenen Reichweiten liegen meist zwischen 80 und 150 km. Erste Tests haben freilich ergeben, dass sich selbige besonders im Winter rasch einmal halbieren, wenn im Auto zum Beispiel die Heizung läuft.
Deutsche Premium-Hersteller verfügen längst über serienreife Prototypen, warten mit dem Marktstart aber noch die kommenden Entwicklungen ab. Eine Sonderstellung nimmt der GM-Konzern ein, der mit den Modellen Opel Ampera und Chevrolet Volt auf eine Kombination von Elektroauto mit einem sogenannten „Range Extender“ setzt. Ist der Akku leer, springt ein kleiner Benzinmotor an und erzeugt Strom zum Weiterfahren. So kann man kurze Strecken zwischen 30 und 50 km emissionsfrei zurücklegen, muss sich aber nicht fürchten, auf dem Weg zur Oma oder in den Urlaub auf der Autobahn stromlos liegen zu bleiben.