ZUTATENLISTE CHECKEN

Das Palmöl-Desaster

Die schlechte Nachricht vorweg: Eine aktuelle Erhebung der Umweltschutzorganisa-tion Greenpeace spürt Tausende Palmöl-Produkte in den heimischen Supermärkten auf. Die gute Nachricht: Für bewusste Konsumenten gibt es durchaus Alternativen.


Wer palmölhaltigen Lebensmitteln komplett aus dem Weg gehen will, muss derzeit aber einiges an Mühe auf sich nehmen“, sagt Greenpeace-Umweltchemiker DI Herwig Schuster. Vor allem eines: Lesen! Denn je weiter vorne Palmöl auf der Zutatenliste ist, desto höher der Anteil im Inhalt. Und das geht bei Keksen, Chips oder Fertiggerichten los und endet bei Waschmitteln oder Kosmetika. So ist zum Beispiel in jedem Frittierfett, das in Österreich gekauft werden kann, ein gewisser Anteil an Palmöl. „Im Schnitt sogar bis zu 60 Prozent“, weiß Schuster und ergänzt  die Liste: „In Fertigsuppen oder Suppenwürfeln macht es sogar rund ein Viertel der Zutaten aus. Kaum ein Schokoladeaufstrich kommt ohne Palmöl aus, wo es mit durchschnittlich 22 Prozent zu einer der Hauptzutaten zählt. Milchersatzpulver für Säuglinge ist praktisch nicht ohne Palmöl erhältlich.“

Nachfrage ungebrochen hoch. Der hohe Verbrauch an Palmöl in der Nahrungs-mittelindustrie sowie in der chemischen und pharmazeutischen Industrie und als ein kostengünstiger Energielieferant führt dazu, dass die Ölpalmen auf immer größeren Flächen vor allem in Südostasien angebaut werden. Die Folgen der Abholzung tropi-scher Wälder sind mehr als bekannt: Lebensräume werden unwiederbringlich zerstört, die Biodiversität gefährdet. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung von Palmöl in der industriellen Produktion wurden bereits 2004 vom WWF erste Versuche unternommen, die Palmölproduktion nachhaltiger zu machen: Der „Roundtable on sustainable Palm Oil“ (RSPO) wurde gegründet und hat ökologische, ökonomische und soziale Mindeststandards für den Anbau von Ölpalmen erarbeitet, die eine Zertifizierung ermöglichen. Im Juli 2013 war eine Anbaufläche von rund 1,8 Millionen Hektar zertifiziert. Auf dieser Fläche können rund neun Millionen Tonnen Palmöl – das sind rund 15 Prozent der weltweit verfügbaren Menge – geerntet werden. 

Dieser Artikel erschien
Februar 2018. Vielleicht interessiert Sie auch: