Der Winter hat’s in sich

Gesunde Ernährung soll bekanntlich viel frisches Gemüse und Obst enthalten. Doch wer nach einem langen, kalten Winter im Bio-Laden oder Supermarkt nach frischem Gemüse aus heimischem Anbau sucht, wird nicht immer fündig werden.

Die kalte Jahreszeit gilt traditionell zwar nicht unbedingt als Wachstumszeit für Pflanzen. „Das ist richtig, aber geerntet werden kann trotzdem, denn viele Gemüsearten sind frostfester als landläufig bekannt“, erklärt DI Wolfgang Palme von der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau Schönbrunn (HBLFA). Der Winter ist aus „gemüsebaulicher Sicht“ die Zeit von Anfang November bis Ende März, inklusive Spätherbst und Vorfrühling. Wie aktuelle Forschungen der HBLFA zeigen, muss diese Phase für den Gemüsebau jedoch längst keine verlorene Zeit sein. Neu entdeckte bzw. traditionelle, aber verbesserte Gartenbautechniken helfen, die Saison zu verlängern und damit nachhaltige und ressourcenschonende Zugänge im Gemüseanbau zu verankern. Der Anbau von sogenanntem „Wintergemüse“ und die Ertragsverfrühung durch Low-Energy-Systeme sind dabei nur zwei Forschungsansätze, die helfen sollen, auch in der kalten Jahres­zeit die Regale mit frischen heimischen Lebensmitteln zu füllen.

Traditionen auf der Spur

Gemüse gibt es natürlich auch im Winter, doch ist der ökologische Fußabdruck dabei oft mehr als bedenklich. Lange Transportwege oder Ware aus energieintensiver Gewächshauszucht machen einen Mix aus, der den Ansprüchen moderner Konsumenten längst nicht mehr gerecht wird. Die Alternativen sind wenig berauschend und wer auf heimische Wintersorten setzt, der hat oft schon im März genug  von Karotten, Rüben oder Weißkraut. Hier räumen nun Palmes Erkenntnisse mit dem weißen Fleck auf der Landkarte des regionalen Gartenjahres auf und belegen gleichzeitig, dass dabei die Vielfalt keineswegs auf der Strecke bleiben muss: „In unserem Wintergemüseprojekt haben wir mit mehr als 120 verschiedenen Gemüsesorten gearbeitet, die im Winter erntefertig waren.“ Wie so oft war auch bei Palmes Forschungen der Zufall mit im Spiel.

Dieser Artikel erschien
April 2017. Vielleicht interessiert Sie auch: