Man muss kein Aussteiger sein

Nein, im Gegenteil. Jakob Kranawetter hat immer schon gewusst, dass er die elterliche Landwirtschaft übernehmen will. Warum also gegen Traditionen auflehnen, wenn selbst-bestimmtes Leben so gut sein kann? Das und mehr erzählt er uns im Interview.

Er ist 27 Jahre jung, der Biobauer vom Oberhollner im oberösterreichischen Garsten. Dyna-misch, offen, ein  bisserl ein Sunnyboy. Seine frisch angetraute Frau  Michi hat er in der Landjugend kennengelernt. Jakob  ist der „Hoina“, so nennen ihn – und seinen Vater – umgangssprachlich Freunde und Bekannte. Und davon gibt es genügend: Am Land rückt man irgendwie sowieso näher zusammen, und die Kranawetters sind gesellige Leute. Nach-barschaftlich hilft man sich gegenseitig, jedem steht die Tür offen. Wir haben die Chance genutzt und Jakob gefragt, was ihn an so einem traditionellen Beruf wie seinem reizt.

Wann hast du beschlossen, dass du Bauer werden möchtest?
Jakob (lacht): Vor ungefähr 25 Jahren! Das war schon als Kind mein Ziel, wenn auch nicht bewusst. Die ersten ernsthaften Gespräche darüber führten meine Eltern und ich aber wohl, als ich 15 war, nach der Hauptschule. Im Anschluss besuchte ich die Höhere land- und forstwirtschaftliche Schule in Sankt Florian und übernahm im August 2012 den Betrieb, mit gerade mal 23.

Für deine Geschwister war die Landwirtschaft keine Option?
Früher war irgendwie keiner recht scharf darauf, daheim zu bleiben. Meine zwei Schwestern und auch der Bruder haben sich beruflich anders entwickelt. Dann war sozusagen ich als der Jüngste noch übrig – bei mir war’s dann klar!

Welchen Beruf hättest du sonst noch ergreifen wollen?

Puh, das ist schwierig. Auf jeden Fall würde ich unbedingt selbstständig arbeiten wollen. Landschaftsgärtner interessierte mich mal, aber auch Mechaniker, die Baubranche, irgendetwas Technisches… ich wäre wohl am ehesten professioneller Bastler geworden.

Das muss man ja als Landwirt auch sein.
Stimmt, das ist hilfreich. Wahnsinnig toll finde ich es, wenn genügend Zeit im Alltag bleibt, um Dinge selbst zu reparieren. Es ist natürlich wünschenswert, wenn der Betrieb so gut läuft, dass der Tag im Nu vorüber ist, weil so viele Dinge zu erle- digen sind – aber ich genieße es schon sehr, ohne Eile selbst werken und tüfteln zu können. Früher hab ich sogar mal selber eine Maschine zum Anbau für die Wiese entwickelt, die es so auf dem Markt noch nicht gab.

Dieser Artikel erschien
2016-2015.