Keine „Kohle“ mehr für Kohle

Die globale „Fossil Free Bewegung“ kämpft gegen Kapitalanlagen, die fossile Energieträger fördern. Private, institutionelle und öffentliche Investoren sollen dazu gebracht werden, ihr Vermögen aus solchen Veranlagungen abzuziehen und stattdessen in erneuerbare Energie zu investieren.

Vor kurzem haben die Berliner Abgeordneten einstimmig den Abzug öffentlicher Gelder aus Unternehmen beschlossen, „deren Geschäftsmodell dem Ziel der Klimaneutralität widerspricht“ – ein spektakulärer, aber lange nicht der erste Erfolg der sogenannten „Fossil Free Bewegung“ und ihrer Divestment-Kampagne. Weltweit bekennen sich inzwischen mehr als 500 institutionelle Anleger – Banken, Versicherungen, Pensionsfonds, Universitäten, kirch-liche Einrichtungen, Stiftungen oder eben auch Städte, neben Berlin z.B. Stockholm, Kopen-hagen, Paris, Oslo, Seattle und Melbourne – zu einem umweltfördernden Finanzanlagemodell.
Als Gegenpart zu Investment bedeutet Divestment, dass man sich von Aktien, Anleihen oder Investmentfonds trennt, die unökologisch oder unter ethischen Gesichtspunkten fragwürdig sind. „Mit dem Divestment-Auftrag gibt Berlin das Signal, dass das Zeitalter der fossilen Brennstoffe vorbei ist“, frohlockte Christoph Meyer von der Bürgerbewegung Fossil Free angesichts der politischen Entscheidung Berlins. Ob diese Einschätzung angesichts der Tatsache, dass derzeit laut Expertenschätzungen immer noch mehr als eine Billion Euro weltweit in fossilen Energien, in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen, veranlagt sind, wirklich realistisch ist, wird sich allerdings erst noch zeigen.

Platzt die „Carbon Bubble“?

Ein Ausstieg aus fossilen Investments macht aus Sicht der Divestment-Verfechter für die Anleger jedenfalls nicht nur aus ökologischen oder ethischen Gründen Sinn, sondern auch aus kaufmännischen. Setzt nämlich die Politik ihr erklärtes Ziel, die globale Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, tatsächlich um, so die Argumentation, dann müssen bis zu 80 Prozent der derzeit bekannten Erdöl-, Erdgas- und Kohlevorkommen im Wert von 16 Billionen Euro ungenutzt im Boden bleiben.

Dieser Artikel erschien
2016-2015.