Mein eigenes kleines Ökosystem

Autarkie? Quasi. Ein Flaschengarten ist in sich geschlossen und veranschaulicht den Kreislauf der Natur auf eindrucksvolle Art und Weise. Carmen Hafner hat es für uns ausprobiert und zeigt, wie’s geht.

Das kann nicht funktionieren, mag man wohl ungläubig denken, wenn man zum ersten Mal von der Pflanze hört, die seit Jahren überlebt, ohne gegossen zu werden. Das alleine wäre schon sonderbar, könnte aber durchaus möglich sein. Auch Kak-teen und Steppenpflanzen gedeihen in staubtrockenen Gegenden. Der Unterschied ist, dass unsere Pflanze im wahrsten Wortsinn den Deckel drauf hat, also auch keinerlei frischen Sauerstoff von außen bekommt. Den muss sie sich schon selber machen. Mithilfe von Sonnenlicht klappt das – und auch das Gießen.

Geschlossener Kreislauf

Der Flaschengarten fasziniert Klein und Groß gleichermaßen. Er ist wunderhübsch anzusehen und vermittelt als Experiment höchst anschaulich, wozu Pflanzen im Stande sind. Lediglich Licht und Wasser benötigen sie: Das Chlorophyll, der grüne Farbstoff der Blätter, hilft ihnen, durch die Lichtenergie angetrieben Zucker zu erzeugen. Den brauchen sie, um zu wachsen. Für diesen Vorgang, die Photosynthese, nehmen sie Kohlendioxid auf und scheiden Sauerstoff aus. Doch woher kommt das Kohlendioxid, wenn das System in einem Glas abgeschottet und kein Mensch da ist, der es ausatmet? Bakterien und Mikroorganismen im Boden erzeugen das Gas laufend.
Man sieht also, dass Pflanze und Boden eine perfekte Einheit bilden. Wir können nur für die passende Infrastruktur sorgen. Das bedeutet: Genügend Licht muss ins Glas fallen und Wasser vorhanden sein. Dieses wird zu Beginn zugesetzt, steigt durch das vom Licht erwärmte Klima als Dampf auf und regnet wieder herab. Überaus wichtig ist, den Flaschengarten keiner direkten Sonneneinstrahlung auszusetzen. Dadurch würde es innendrin schlicht zu heiß werden.
Legt man nun den Flaschengarten gewissenhaft an und gibt ihm ein ideales Plätzchen, ist er über Jahre zufrieden. Er benötigt keinerlei Zuwendung mehr – verdient aber eine ordentliche Portion Bewunderung. In den Vereinigten Staaten steht etwa ein Prachtexemplar, das seit 1972 nicht mehr gegossen wurde.

Dieser Artikel erschien
2016-2015.