NATÜRLICHE ALLESKÖNNER

Distel mit weichem Herz

Zu Unrecht gilt die Artischocke als kapriziöses Gemüse, das jeder unkomplizierten Verwendung wider-spricht. Was die leicht bittere Distelfrucht alles kann, rechtfertigt jedenfalls den Aufwand.

Das ursprünglich mediterrane Blütengemüse wurde schon von den alten Ägyptern und Römern als Delikatesse kultiviert. Die Araber brachten die Artischocke schließlich ins südliche Mittelmeer, doch erst im 15. Jahrhundert trat sie ihren Siegeszug in Frankreich und Großbritannien an. Sie galt von jeher als besonders edle Delikatesse und Zeichen von Reichtum und auch eine erotisierende Wirkung wird ihr bis heute zugeschrieben.

Heute wird sie vorrangig in Italien, USA, Spanien, Ägypten, Argentinien und Frankreich angebaut, doch auch in heimischen Gärten wird sie gehegt und gepflegt. Die Pflanze braucht dafür etwa einen Quadratmeter Platz und viel Sonne. Ihre faustgroßen, grünen oder violetten Blütenköpfe werden ge-erntet, wenn sie noch geschlossen sind und die äußeren Schuppen ein wenig abstehen. Lässt man sie jedoch weiterwachsen, entwickelt sich daraus eine wunderschöne rosa bis blau-violette Blüte, doch essbar ist die edle Pflanze dann nicht mehr. Landwirtin Stephanie Theuringer kultiviert im March-felder Raasdorf Artischocken und weiß um ihre überraschende Unkompliziertheit: „Es gibt verschiede-ne Sorten, die in unserem Klima gut gedeihen. Oft denkt man, Artischocken müssten es besonders warm haben, weil sie ja aus dem Mittelmeerraum stammen, allerdings sind dort die Artischocken ein Herbst- und Wintergemüse, im Sommer gibt es keine. Die österreichische Artischockensaison hin-gegen dauert von ca. Mitte Juli bis Mitte Oktober.“ 

Die Blütenfrucht gedeihe relativ problemlos und benötige nährstoffreiche Böden. „Sie gehören zu den Starkzehrern, auf gute Düngung ist also zu achten“, ergänzt Theuringer. Artischockenpflanzen können bis zu zwei Meter hoch werden und sind frostempfindlich. Die junge Artischocken-Spezialistin schwärmt geradezu von dem edlen Gemüse: „Ich finde die Artischocke einfach eine herrliche Pflanze: ästhetisch in allen Wachstumsphasen bis zu der besonders attraktiven Blüte, ein toller Geschmack, vielfältige Zubereitungsmöglichkeiten, darüber hinaus sehr gesund.“ Allzu häufig wird sie nämlich unter ihrem Wert verkauft und wir begegnen der Artischocke als in Öl eingelegte italienische Antipasti, auf Pizza oder in Pastasaucen. Dabei kann sie viel mehr.

Dieser Artikel erschien
2016-2015.