Klimafreundlich von A nach B

Das Auto verliert für die städtische Mobilität an Bedeutung. Es braucht schlichtweg zu viel Platz – Platz, den es in den stark wachsenden Metropolen immer weniger gibt. Die Wiener legen drei Viertel ihrer Alltagswege bereits „klimafreundlich“ zurück.

Geht es nach der „Smart City Rahmenstrategie“ der Stadt Wien, soll der gesamte motorisierte Indivi-dualverkehr innerhalb der Stadtgrenzen bis zum Jahr 2050 ohne konventionelle Antriebstechnologien erfolgen. Das ist ebenso ambitioniert wie unwahrscheinlich. Aber selbst wenn der Plan gelingt und damit die Emissionen massiv reduziert werden können, bleibt eine zweite zentrale Herausforderung für die städtischen Verkehrsplaner bestehen: das wachsende Platzproblem im öffentlichen Raum. Dieses lässt sich letztendlich nur durch ein drastisches Reduzieren des motorisierten Individualverkehrs insgesamt lösen, denn die Automobilität beansprucht verhältnismäßig viel mehr Platz, als sie an Verkehrsleistung tatsächlich bringt.

Zur Veranschaulichung des „Platzbedarfs“ unterschiedlicher urbaner Fortbewegungsmittel hat „VCÖ – Mobilität mit Zukunft“ in seiner Studie „Urbaner Verkehr der Zukunft“ folgende Vergleichszahlen errech-net: Wollen 50 Personen eine beliebige Strecke zurücklegen, benötigen sie in Bewegung zusammen zu Fuß eine Fläche von 50 qm, per Fahrrad 580 qm, mit einem Bus 70 bzw. mit einer Straßenbahn 60 qm (Annahme: vollbesetzt) und mit durchschnittlich besetzten Pkw 2.375 qm. Selbst wenn die Pkw vollbesetzt sind, werden zum Transport der 50 Personen immer noch 610 qm Straßenfläche benötigt, wobei der benötigte Parkplatz sogar noch unberücksichtigt bleibt.

Berücksichtigt man nun die Bevölkerungsprognosen für urbane Räume im Allgemeinen und Wien plus Umfeld im Speziellen, wird sich das Platzproblem in den nächsten Jahrzehnten immer weiter zuspitzen. Der ohnehin schon beschränkte Platz wird dringend für Wohn- und Büroraum benötigt, die Mobilität muss daher „flächeneffizient sein, so wenig Platz verbrauchen wie möglich“, sagt VCÖ-Experte Mag. Christian Gratzer. Öffentlicher Verkehr, vor allem aber das Gehen und Radfahren müssten hier noch stärker als bisher vorangetrieben werden.

Dieser Artikel erschien
2016-2015.