10 JAHRE BIO

„Wir müssen an vielen Schrauben drehen“

Im Gespräch mit Mag. (FH) DI Markus Piringer, Leitung "die umweltberatung" Wien, erfahren wir zu  10 Jahren bioMagazin, wie „Bio“ und „Öko“ sich definieren. Für die eine ist es eben die Ernährung, für ande-re die Kleidung und für den nächsten die Mobilität. Selten gibt es jedoch Gruppen, die sich in wirklich allen Bereichen „umweltfit“ zeigen.

Umweltschutz umfasst mittlerweile mehr als nur Müll trennen – wo waren für Sie die Meilensteine in den letzten zehn Jahren?

Ich denke, dass die letzten zehn Jahre die Weiterführung einer längeren Entwicklung waren, die uns seit rund 30 Jahren begleitet. "die umweltberatung" ist 28 Jahre alt und wir haben uns von den belächelten Freaks zu einem sehr ernst zu nehmenden Partner entwickelt. Umweltschutz, Nachhaltig-keit oder Bio, egal wie man es nennt, das Thema ist in der Gesellschaft angekommen.

Woran machen Sie das fest?

Wir merken das z.B. an den Kundenanfragen, es zeigt sich sehr deutlich, dass es keine Randgruppen-themen mehr sind. Es ist schwer, das Thema an einzelnen Meilensteinen festzumachen, es hat sich in vielen Bereichen etwas bewegt, in der Ernährung, Mode, Wohnen, Mobilität. So sind expandierende Biosupermarktketten oder bekannte Anbieter, die ihr Sortiment um Ökotextilien erweitert haben, zentraler Bestandteil im Einzelhandel geworden. In der Industrie gehen Ressourcenschonung und ökologische Produktion weit über Vorreiter- und Exotenbetriebe hinaus.

Das klingt doch sehr ermutigend...

Ja, aber wir müssen dennoch sehr gut aufpassen, dass wir das alles nicht so selbstverständlich hin-nehmen und guten Gewissens jene Handlungsfelder ausblenden, wo noch wenig passiert ist. Auch wenn in manchen Bereichen „Bio“ schon zum Alltag gehört, warten noch viele Herausforderungen auf uns!

Was konkret ist das?

Wer z.B. ein Passivhaus auf die grüne Wiese stellt und damit sein „Ökogewissen“ beruhigt sieht, der vergisst, dass damit aufseiten der Mobilität die Ökobilanz weniger gut aussieht. Es fehlt uns oft noch die ganzheitliche Betrachtung der Herausforderungen. Auch das Thema „Flugverkehr“ wird gerne ausgeblendet. Wer im Biosupermarkt einkauft und zweimal im Jahr eine Fernreise macht – und das passiert durchaus auch in gut informierten „Biokreisen“ –, sollte sich über seinen ökologischen Fuß-abdruck noch einmal Gedanken machen. Leider sind gerade die Flugreisen aus der öffentlichen Dis-kussion weitgehend ausgeblendet.

Dieser Artikel erschien
2016-2015.