Aussteigen? Aufsteigen!

Mikela und Patrick Endl haben genau das getan. Sie wollten höher hinaus – und haben dafür Karriereleiter gegen Almhütte getauscht. Carmen Hafner hat sie für uns auf der Gjaidalm im oberösterreichischen Dachsteinmassiv besucht.

Über die erste Stütze, dann die zweite. Trotz moderner Großraumgondel kann es schon mal etwas schaukelig werden. An der Mittelstation umsteigen in die Bahn der nächsten Teilstrecke, direkt auf den Gipfel des Krippensteins mit mehr als 2.100 Metern Seehöhe. Steil geht es bergauf – bevor sich die malerische alpine Hoch-ebene auftut. Es gibt viele Wege, die auf die Gjaidalm führen. Die Seilbahn ist nur einer davon, der bequemste. Vom Gipfel geht es wieder hinab, dann aber mit der fast schon antiken Variante: die Kabinen der dritten Teilstrecke stammen nämlich allesamt aus den 60er Jahren und sind unverändert bis heute in Betrieb. Es scheint, als wäre hier oben die Zeit stehen geblieben. 

Wenn man gemütlich wandert, erreicht man von hier die Almhütte auf 1.738 Höhen-metern in zehn Minuten. Aus dem Tal wären es übrigens zwischen drei und sechs Stunden, je nach gewähltem Weg. Spaziert man nun um die letzte Kuppe der Schotterpiste, erblickt man den hauseigenen Lift für Übungsfahrten und gleichzeitig die Anbindung ins Skigebiet Krippenstein. An dessen Ende liegt sie, die Gjaidalm oder kurz „Gjaid“, wie sie von Kennern genannt wird. Ihr Name leitet sich von dem veralteten Mundartwort für Jagd ab. Ringsherum grasen im Sommer die Kühe, gleich drei Hunde begrüßen die Gäste. So rustikal die Atmosphäre hier anmutet, so jung und frisch ist das Personal: Die Pächter Miki, 30, und Patrick, 33, haben im Herbst Bürosessel gegen „das schönste Büro der Welt“, wie sie einstimmig sagen, getauscht. Nun gibt es hier Alpenflair, W-Lan und Yogawochenenden. 

Die Gjaidalm ist ein wundervoller Ort in Österreich, ihr beide lebt eigentlich in Deutschland. Wie seid ihr zum ersten Mal hierher gekommen, habt ihr sie euch zufällig erwandert?

Miki: Ich hab Michael, den Besitzer, bei einer Geburtstagsfeier in Deutschland ken-nengelernt. Kurze Zeit später war ich das erste Mal mit ihm da – und sofort begeistert. Für die nötigen Umbauten organisierte ich eine große Renovierungsaktion mit hundert freiwilligen Helfern aus aller Welt. Seither bin ich nie wieder ganz losgekommen. 

Patrick: Wir beide haben uns auf einem Seminar kennengelernt, das ich um ein Haar nicht besucht hätte… weil ich eigentlich am gleichen Wochenende auf einer Hütte am Dachstein hätte sein sollen. Die Gjaid hat uns also von Beginn an begleitet; mittlerweile ist sie unser Zuhause und das unserer kleinen Tochter Heidi.

Dieser Artikel erschien
2016-2015.