GUT & WEICH

Heilende Wolle

Die heilenden Kräfte von naturbelassener Wolle kennen vor allem Frauen als Wohltat in der Still- und Wickelzeit gut. Dabei ist Heilwolle viel breiter einsetzbar. Wichtig ist für den wertvollen Naturstoff eine zuverlässige, zertifizierte Herkunft, am besten sowieso in Bio-Qualität.

Schon in der Antike wurde die heilende Wirkung von Heilwolle – manchmal wird sie auch Fettwolle genannt – hochgeschätzt. Viel später, im 19. Jahrhundert, entdeckt der deutsche Mediziner und Pharmakologe Oskar Liebreich die heilende Wolle wieder. Grund für den wohltuenden Effekt ist das enthaltene Wollfett, das auch als Wollwachs oder Lanolin bezeichnet wird und in der schonend gereinigten und ansonsten naturbelassenen Schurwolle enthalten ist. Dieses Fett, das in den Talgdrüsen der Schafe produziert wird, wirkt hautpflegend, beruhigend, entzündungshemmend und fördert die Durchblutung. Außerdem saugt es unerwünschte Flüssigkeiten auf. Lanolin besteht aus Fettsäuren wie Myristin-, Carnauba-, Lanopalmin- und Lanocerinsäure sowie Fettalkoholen.
Normalerweise wird das Lanolin mithilfe von heißem Wasser und Soda entfernt, um die Wolle für die üblichen Anwendungsformen vorzubereiten. Im Fall der Heilwolle bleibt das natürliche Lanolin erhalten, lediglich eine sanfte Reinigung bei maximal 50 Grad ist erforderlich. Infolge bleibt der typische Schafgeruch bestehen. Danach wird die Wolle „kardiert“. Dabei werden die losen Fasern zu einem Flor oder Vliesstoff verarbeitet, indem sie händisch mit Karden „gekämmt“ oder häufiger maschinell bearbeitet werden. Bei diesem Bearbeitungsschritt entsteht das watteweiche Gefühl der Wolle. Je nach Schafrasse und Art der Wollfasern ist Heilwolle besonders zart und fein oder etwas rauer. Besonders feine Wolle liefern Merinoschafe.

Für Babys und stillende Mütter. Bekannt war und ist Heilwolle vor allem als unterstützendes Hilfsmittel gegen einen wunden Popo von Babys, auch Windeldermatitis genannt. Wundcremen enthalten häufig unerwünschte Inhaltsstoffe wie Erdöl, Konservierungsstoffe oder Aromen. Heilwolle absorbiert hingegen Feuchtigkeit, ohne die Babyhaut auszutrocknen, wirkt entzündungshemmend und heilend auf bereits gerötete und gereizte Haut.

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Dieser Artikel erschien
07_21. Vielleicht interessiert Sie auch: