NATÜRLICHE ALLESKÖNNER

Grüne Stachler

Mit Kastanien verbinden wir meist zwei verschiedene heimische Früchte: die Rosskastanie und die Edelkastanie oder Marone. Beide haben es in sich und haben sich längst als nützlich, gesund und wohlschmeckend erwiesen – solange man weiß, welche Kastanie wofür geeignet ist.

Der häufigste Irrtum ist, dass es sich bei Kastanien um zwei Formen von ­derselben Frucht handelt. Ross- und Edelkastanie heißen nicht nur gleich, sie sehen ja auch sehr ähnlich aus. Während die Rosskastanie, ein klassischer Baum für Alleen und Gastgärten, zur Familie der Seifenbaumgewächse gehört, zählt die Edelkastanie zu den Buchengewächsen. Die beiden sind also nicht einmal verwandt. Die Schalen der Früchte sind leicht auseinanderzuhalten: Während die Rosskastanien einzelne Stacheln auf der Schale tragen, sind es bei den Edel-kastanien viele, dicht an dicht. Maroni sind außerdem plattgedrückt, Rosskastanien ziemlich rund.

Schädling bedroht den Bestand. Früher galt die Edelkastanie als Grundnahrungsmittel, erst die Kartoffel verdrängte auf ihrem Siegeszug die feine Kastanie. Die Rosskastanie ist grund-sätzlich weit verbreitet, vor allem in Eurasien und Nordamerika, und zwar in etwa zwölf verschiedenen Arten. „Grundsätzlich“, weil der Bestand mancher Arten in Europa zuneh-mend gefährdet ist. Die Rosskastanienminiermotte macht den Bäumen zu schaffen und sorgt dafür, dass sie vorzeitig welken. Die Motte wurde 1984 entdeckt, 1989 wurde sie erstmals in Österreich nachgewiesen. Sie breitete sich schnell aus und richtet auch heute noch viel Schaden an, weil natürliche Feinde fehlen. Die Miniermotte bildet drei, selten sogar bis fünf überlappende Generationen pro Jahr aus, wobei ihr der Klimawandel mit höheren Temperaturen und milderen Wintern noch entgegenkommt. Auch heimische Gärten und Parks haben mit der Rosskastanienminiermotte zu kämpfen. Typische braune welke Blätter bereits im Sommer sind untrügliche Anzeichen eines Befalls. Die Wiener Stadtgärten haben nach einer Lösung gesucht: Alternativ wird mittlerweile Aesculus carnea, die rotblühende Rosskastanie, gepflanzt.

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07_20. Vielleicht interessiert Sie auch: