WIEDERENTDECKT

Zurück zum Urkorn

Urgetreide erlebt eine Renaissance. Immer mehr Menschen, die Wert auf gesunde Ernährung, Herkunft, Regionalität und Bio-Qualität legen, setzen bewusst auf Getreidesorten, die es seit Jahrtausenden gibt.

Als Urgetreide werden jene Getreidesorten bezeichnet, die ursprünglich geblieben sind und nicht „verzüchtet“ wurden. Aus ihnen entstanden durch Züchtung unsere heutigen Kultur-getreidearten. Urgetreide steht für „Vergangenheit mit Zukunft“ heißt es seitens der Initiative Urgetreide, eines deutschen Vereins, der alte, wertvolle Getreide­sorten wieder aus der Versenkung holen möchte. Die Renaissance von Urgetreide passe zu aktuellen Verbraucher­bedürfnissen, die sich als Antwort auf unsere digitalisierte Welt entwickelt haben: „Nachhaltigkeit, Naturbelassenheit, Genuss, Authentizität, Rückbesinnung auf Tradi-tionen – all diese Sehnsüchte können in Gestalt von Urgetreide-Sorten erfüllt werden. Des-halb ist es nicht verwunderlich, dass die Nachfrage nach dem unverfälschten Geschmack von Urgetreide-Produkten rasant wächst.“

Uralte Geschichte und moderne Werte. Urgetreide hat eine Jahrtausende alte Tradition. Bis ins neunte Jahrtausend vor Christus gehen Funde zurück – vor allem im Gebiet zwischen Euphrat und Tigris. Von dort traten die Getreidesorten ihren Siegeszug in Europa und dem Rest der Welt an. Sie waren die Urväter und -mütter unserer heutigen modernen Getreide-sorten. Moderner Brotweizen, der für viele Brot- und Teigsorten unverzichtbar ist, entstand aus Einkorn und Emmer.
Dass heute Urgetreidesorten wieder hochgeschätzt werden, hat verschiedene Gründe. Zum einen sind es verstärktes Traditionsbewusstsein und die sprichwörtliche Naturbelassenheit, denn Urkörner sind oft besonders anspruchslos, witterungsresistent und gedeihen auch auf kargen Böden. Die Bio-Landwirtschaft weiß zudem zu schätzen, dass die Sorten oft mit wenig bis keinem Dünger und ohne Pflanzenschutzmittel auskommen – auch wenn der Ertrag meist geringer ist als bei modernen Sorten. Die Urgetreidesorten schonen die Böden und tragen zur ökologischen Artenvielfalt bei. Einkorn, Emmer und Urdinkel sind zudem Spelzgetreide. Der Spelz, die Hülle, schützt das Korn vor Umwelteinflüssen und Verunreinigungen.

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06_21. Vielleicht interessiert Sie auch: