ENDE VOM SCHLARAFFENLAND

Die Psychologie der Klimakrise

Hinterher ist man immer klüger – das haben viele von uns vielleicht schon im privaten Umfeld erlebt: bei der Partnerwahl, bei der Schul- und Berufsausbildung oder bei der Wohnungssuche. Nicht anders verhält es sich beim Schutz der Umwelt.

Hätten wir seriöse Fakten früh genug zu Rate gezogen, verstanden und ernst genommen, wäre die Krise sogar weitgehend abwendbar gewesen. Dieser Satz aus einem aktuellen Sammelband zur Klimakrise, lässt sich vermutlich auf alle Krisen anwenden. Ist ein Thema einmal massiv aus den Fugen geraten, so lässt es sich schwer wieder ins Gleichgewicht bringen.

Vom Wissen zum Handeln. Die meisten Menschen wissen, dass Sport gesund wäre oder übermäßiger Zuckerkonsum den Zähnen schadet. Und dennoch lässt sich dieses Wissen schwer in den Alltag integrieren, wenn es darum geht, sich häufiger zu bewegen oder auf Süßes zu verzichten. Bereits im Jahr 2011 hat der kanadische Umweltpsychologe Univ.-Prof. Dr. Robert Gifford versucht Erklärungen für diese psychologische Handlungsbarriere zu fin-den. So setzen sich zum Beispiel Menschen intensiv mit Nachhaltigkeitsfragen auseinander, fahren dann aber täglich mit dem Auto zur Arbeit oder fliegen mehrmals im Jahr Langstrecke in den Urlaub. Giffords Erklärungsansatz mündete im sogenannten „Drachen der Untätig-keit“, der viel Köpfe hat: Ausreden wie „ich kann nicht“, „ich weiß nicht“ oder „ich will nicht“ sind Beispiele, die aus einer tiefen Unsicherheit resultieren.
Mit dem Satz „woanders ist es noch schlimmer“ relativiert man das Ausmaß einer Krise recht schnell oder zeigt sich mit „Es wird schon alles gut werden!“ besonders optimistisch. „Was kann ich schon tun?“ oder „schon wieder das Klimathema in den Nachrichten“ zeigt von einer gewissen Abstumpfung und fehlenden Selbstwirksamkeit. Kurz gesagt: Es gibt viele Drachen, die uns zur Untätigkeit verführen. Die gute Nachricht: Sie alle lassen sich zähmen. Die weniger gute: Aktuell macht es hierzulande das wirtschaftliche und gesellschaftliche System unmöglich.

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Dieser Artikel erschien
06_21. Vielleicht interessiert Sie auch: