ZUKUNFT LANDWIRTSCHAFT

Sonne, Äcker, Land am Strom

Dass der Strombedarf stetig steigt, liegt auf der Hand. Neue Formen der Stromgewinnung, die weder Ökosysteme stören noch ein Vermögen kosten, sind gefragt. Agrophotovoltaik nutzt bestehende landwirtschaftliche Nutzflächen und liefert Strom. Ein Win-win-Modell?


Eine eher neue und noch relativ wenig erforschte Form der erneuerbaren Energieproduktion ist die Agro­photovoltaik (APV). Sie verbindet landwirtschaftliche Produktion mit nachhaltiger Energieproduktion. Zu diesem Zweck werden Photovoltaik-Paneele auf den Dächern von Glashäusern mit Gemüseproduktion angebracht oder auf Feldern, auf denen landwirtschaftliche Produkte wachsen. Auch in senkrechter Bauweise, etwa als Zäune für den Hühnerauslauf oder auf Weideland, können Photovoltaik-Elemente errichtet werden. Knackpunkt ist immer die gleichzeitige Nutzung einer Freifläche für die Landwirtschaft und die Photovoltaik.

Junges Forschungsgebiet. DI Dr. Thomas Schauppenlehner vom Institut für Landschafts¬ent-wicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung an der Universität für Bodenkultur in Wien erforscht die Agrophotovoltaik und gilt als einer der wenigen Experten in Österreich. „Agrophotovoltaik ist in Österreich ein sehr junges Forschungsfeld“, erzählt er. „In Öster-reich wurde die Strom- und Lebensmittelproduktion auf einer Fläche erstmals vor einigen Jahren im Glashausgemüsebau getestet und beforscht. In einem aktuell laufenden Forschungsprojekt an der Universität für Bodenkultur, Wien, wurden zwei Testanlagen auf Glashäusern von Betrieben der Genossenschaft LGV Sonnengemüse in Wien installiert. Interessant ist hier vor allem die Anwendung neuer flexibler Kunststoffpaneele sowie von Paneelen, bei denen die photovoltaischen Zellen in einem speziellen Druckverfahren auf-gebracht werden. Damit ergeben sich ein größerer Gestaltungsspielraum, flexiblere Lösun-gen und eine schlankere Unterkonstruktionen.“ Österreichs erste Agrophotovoltaikanlage über Freiland wurde im Oktober 2019 in Guntramsdorf in Niederösterreich als Testanlage von Wien Energie in Betrieb genommen.
Andere europäische Länder sind ein wenig voraus, wenn auch Agrophotovoltaik noch nirgendwo in Europa als etablierte Energiegewinnung betrachtet werden kann. „Für Mittel-europa ist sicher die APV-Forschungsanlage im deutschen Heggelbach wegweisend, die bereits 2016 in Betrieb genommen wurde“, weiß Schauppenlehner. „Auf 2.500 qm werden hier unter in fünf Metern Höhe installierten Photovoltaikpaneelen etwa Kartoffeln oder Weizen angebaut.“

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06_20. Vielleicht interessiert Sie auch: