NATÜRLICHER ALLESKÖNNER

Uralter Öl- und Faserlieferant

Der Lein oder Flachs kann nicht umsonst auf eine Tausende Jahre lange Nutzungstradition verweisen. Die Kulturpflanze wird für Samen, Öl und Fasern geschätzt und noch immer tun sich neue Nutzungsformen auf.

Der Gemeine Lein am Wegesrand ist gleichermaßen unscheinbar wie hübsch anzusehen, mit seinen himmelblauen – manchmal auch zartlila, weißen oder rosa – Blüten. Nach der Blüte bilden sich Kapseln, die wertvolle Samen enthalten.
Je nach Nutzungszweck werden von den vielen verschiedenen Sorten vor allem Faserlein und Öllein unterschieden. Während die Ölleinsorten mit meist rund 50 cm Höhe relativ klein sind, wird der Faserlein bis zu eineinhalb Meter hoch. Er wird noch grün nach etwa vier bis fünf Monaten geerntet. Öllein ist wärmeliebender als Faserlein und wächst daher in südlichen Breiten deutlich besser als im Norden. Er benötigt rund ein halbes Jahr bis zur vollen Reife. Grundsätzlich kann aus einer Pflanze sowohl Öl als auch Fasern gewonnen werden. Um die Erträge zu optimieren, empfiehlt sich jedoch ein Anbau von spezialisierten Sorten. Lein ist eine recht genügsame Pflanze, die auch ohne Dünger auf mageren Böden gut wächst, eine gute Frosttoleranz aufweist, aber ausreichend Wasserzufuhr zu schätzen weiß. Bio-Anbau ist ohne allzu großen Aufwand möglich.

Göttliche Reinheit. Lein, auch Flachs genannt, wird schon seit Tausenden von Jahren, seit der Steinzeit, genutzt. Fund­stücke belegen eine Nutzung 7500 vor Christus im Iran und in der Türkei – damit ist Leinen älter als Baumwolle. Die ersten Leinstoffe werden Ägypten zugeordnet und stammen aus dem vierten Jahrtausend vor Christus – Leinen wurde damals für Mumienbinden verwendet und galt als Symbol für göttliche Reinheit und Licht. Nach Mitteleuropa kam der Lein wohl um 5700 vor Christus, anfangs in der Region nördlich der Donau bis nach Nordfrankreich. Langsam breitete sich die Nutzung weiter aus, bis er dann im Mittelalter überall bekannt war. Im 18. Jahrhundert galten das Russische und das Deutsche Reich sowie Österreich-Ungarn als größte Leinenproduzenten, bis die billigere Baumwolle ihren Siegeszug antrat. Erst seit den 1980er-Jahren stieg im Zuge der Ökologiebewegung das Interesse für Leinen wieder an.

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