HEUTE BLEIBT DIE KASSA OFFEN

Bio-Business ist Vertrauenssache

Bei der Direktvermarktung bäuerlicher Produkte stößt man immer häufiger auf Geschäfts-modelle, die ein hohes Maß an Vertrauen zwischen Verkäufer und Käufer voraussetzen.


Eine Studie der deutschen Bertelsmann-Stiftung kam bereits vor genau zehn Jahren zu dem Schluss, dass in der sozialen Marktwirtschaft der Faktor „Vertrauen“ längst verloren gegan-gen ist. Begonnen hat diese Entwicklung in den 1980er-Jahren und Themen wie Kunstschin-ken oder Analogkäse sowie die mangelnde Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel haben zu einer weiteren Erosion in der Beziehung zwischen Unternehmen und Konsumenten, gerade im Lebensmittelsektor, geführt.
Dabei wäre es doch so wichtig, sich gegenseitig mit weniger Misstrauen zu begegnen, denn mehr Vertrauen senkt im Handel die Transaktionskosten deutlich. Doch in Zeiten, in denen Spitzelaffären und Misstrauensanträge Saison haben, ist es mit diesem Vertrauen in Politik oder Wirtschaft nicht mehr weit her.
Ein Shitstorm ist schnell losgetreten und grundsätzlich scheinen Konsumenten nur mehr wenig Positives von Unternehmen zu erwarten. Kein Wunder, werden doch die Beziehungen immer anonymer, wenn per Mausklick praktisch alles eingekauft werden kann, ohne dass sich Käufer und Verkäufer jemals in die Augen gesehen haben. „Gutes Bauchgefühl“ ist beim Onlineshopping schwer zu erzeugen, vom Gewicht eines „Handschlags“ ganz zu schweigen.

Es klappt ja doch.
Fakt ist, Vertrauen ist eine komplexe Sache und in der Ökonomie schwer zu erreichen. Wer es traditionell damit immer schon einfacher hatte, waren die Biobauern, denn sie spielen mit offenen Karten. Ihre Produktionsweise ist transparent und sie legen bereitwillig offen, wie sie arbeiten. Grüne Werbeversprechen, die nicht gehalten werden, sind tabu und in Sachen Qualität haben sie eine Reihe von haltbaren Nachweisen zu erbrin-gen. All das tun sie nicht nur, weil es der Konsument fordert, sondern vor allem auch, weil es ihnen ein Anliegen ist, die Vertrauensbeziehung zu ihrer Klientel zu stärken. Und das geht bei einigen sogar so weit, dass sie darauf vertrauen, dass Kunden auch bezahlen, selbst wenn niemand da ist, der das Wechselgeld nachrechnet.

Dieser Artikel erschien
05_19. Vielleicht interessiert Sie auch: