MILCH ODER NICHT MILCH?

Weiße Alternative mit Potenzial

Die Nachfrage nach pflanzlichen Milchalternativen nimmt weltweit zu. Doch nicht nur das freut die Hersteller, sondern auch die Tatsache, dass die geplante Verschärfung beim Bezeichnungsschutz für Milcherzeugnisse in letzter Sekunde doch zurückgezogen wurde.

Die Freude bei Mag. Felix Hnat, Obmann der Veganen Gesellschaft Österreichs, war am 25. Mai dieses Jahres groß, brachte dieser Tag doch das „Aus“ für den umstrittenen Änderungs-antrag 171 im Agrargesetz. Denn dieser hätte tiefgreifende Verschärfungen in der Vermark-tung pflanzlicher Milchalternativen gebracht: Bezeichnungen wie etwa „cremig wie Joghurt“, „laktosefrei“ oder „Milchersatz“ wären genauso verboten gewesen wie Bilder der Produkte auf der Verpackung. Apropos Verpackung: Der Abänderungsantrag hätte sogar dazu führen können, dass Glasverpackungen und TetraPak für pflanzliche Alternativen zu tierischer Milch nicht mehr zulässig gewesen wären.                     
„Das EU-Parlament hat den Antrag doch noch zurückgezogen“, sagt Hnat und ergänzt: „Zum Glück.“ Hersteller von pflanzlichen Produkten sowie die vegane Lobbying-NGO Proveg Inter-national, aber auch beispielsweise die heimischen Sojabauern hatten seit Herbst darum gekämpft, die geplanten Regeln zu verhindern. In einer Petition, die von rund 465.000 Euro-päern, darunter über 20.000 Österreichern, unterzeichnet worden war, forderten sie die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten dazu auf, den Änderungsantrag abzulehnen.

Wird der Verbraucher getäuscht? Begründet wurde dieser übrigens mit dem Argument, er sei, um Verbraucher vor einer Irreführung zu schützen. „Ich bin aber überzeugt, dass das nicht der Fall ist“, sagt Mag. Petra Lehner, Senior Expert im Bereich Konsumentenschutz/-politik der Arbeiterkammer Wien. Sie begrüßt den Rückzieher der europäischen Parla-mentarier ebenfalls ausdrücklich, auch, weil das Agrarförderungsgesetz nichts mit Lebens-mittelkennzeichnung zu tun habe. Das Argument der Verbrauchertäuschung durch aktuelle Pro­dukt­bezeichnungen sei nachweislich nicht schlüssig, so Lehner. Für Verwirrung würde vielmehr die Tatsache sorgen, dass Milch­ersatzprodukte auf Pflanzenbasis seit einem Ent-scheid des Europäischen Gerichtshofes im Jahr 2017 nicht mehr Bezeichnungen wie „Milch“, „Käse“ oder „Joghurt“ im Namen tragen dürfen.

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