STREUOBSTWIESEN

Rares und Vielfalt

Keine Plantagen in Reih und Glied, keine intensiv bewirtschafteten Felder soweit das Auge reicht, sondern Streuobstwiesen, vereinzelte oder viele, gemischte oder reinsortige Obstbäume prägten das Landschaftsbild Österreichs über viele Jahr. Nun gehen sie langsam verloren und es ist höchste Zeit sie zu retten.

Moderner Obstbau setzt auf Monokulturen, Masse und vereinfachte Erntebedingungen in Form von niedrigstämmigen Sorten mit weitgehender Schädlingsresistenz. Früher sah der Obstbau in Österreich ganz anders aus: Streuobstwiesen umgaben die Höfe, fanden sich in jedem Garten und waren oft nur mit einer Handvoll Bäumen bestückt, eben mit dem, was man brauchte und selbst verarbeiten konnte. Mancherorts dehnten sich Streuobstwiesen weiter aus und lieferten Marillen, Mostbirnen und -äpfel, Nüsse, Zwetschken oder Kirschen für die Weiterverarbeitung. Charakteristisch an Streuobstwiesen ist die extensive Bewirtschaftung mit Hochstämmen, unterschiedlichen Arten und Sorten jedes Alters. Gleichzeitig wird das Gras genutzt – indem es gemäht oder von Tieren beweidet wird.

Diversität und alte Sorten. DI Katharina Varadi-Dianat ist die Obfrau der ARGE Streuobst und selbst  
Betreiberin eines steirischen Bio-Bauernhofes mit zahlreichen Obstbäumen, weidenden Schafen und freilaufenden Hühnern. Sie weiß um die großen Vorteile von Streuobstwiesen: „Der größte Vorteil ist sicher die Vielfältigkeit. Eine Streuobstwiese ist landschaftsprägend, egal ob im Frühling durch die blühenden Bäume oder im Herbst als früchtebehangener Baum“, schwärmt Varadi-Dianat und ergänzt: „Sie bietet bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten Lebensraum, ist also ein Hotspot der Biodiversität. Sie ist die Arche Noah für zahlreiche Obstarten und Obstsorten, die dort sowohl als lebendes Kulturgut erhalten werden, als auch für zukünftige Herausforderungen zur Verfügung stehen.“ Als Beispiele für Obstsorten, die nur mehr in Streuobstgärten ihre Heimat finden, nennt sie die Steirische Schafnase, die Joiser Einsiedekirsche, die Pastorenbirne oder den Roten Spänling.

Dieser Artikel erschien
04_19. Vielleicht interessiert Sie auch: