SERIE: ZUKUNFT LANDWIRTSCHAFT

Landwirt per Mausklick

Landwirt kann heute jeder werden, sogar ohne einmal auf einem Feld  gewesen zu sein. Das geht nicht nur mittels einschlägiger Handy- oder Computerspiele, bei denen gesät, geerntet und am Wochenmarkt verkauft wird, sondern auch via Crowd Farming.

Auch wenn es im ersten Schritt nur digital ist, so hat Crowd Farming schlussendlich doch das engagierte Ziel, die Menschen wieder „näher“ an ihre Lebensmittel zu bringen. Aktionen wie das Sponsoring von Ziegen, Schafen oder Hühnern, die Bauern in Entwicklungsländern ein besseres Einkommen ermöglichen sollen, waren der erste Schritt in diese Richtung. Jetzt geht es aber weiter, indem der landwirtschaftliche Ertrag zum Sponsor zurückfließt.     
Kurz gesagt: Per Mausklick wird in eine Farm investiert, je nach Höhe des Betrages wird ein Anteil an der Ernte gekauft. Angebaut wird, was auch konsumiert wird. Die Produzenten arbeiten quasi auf Nachfrage, damit soll der Überproduktion und Lebensmittelverschwendung vorgebeugt, aber auch das Risiko verteilt werden. Die Möglichkeiten dabei sind vielfältig und reichen von der Adoption von Tieren oder Bäumen bis zu Gärten und Plantagen. Kakao- und Kaffeebohnen, Mandeln, Organen oder Oliven können ebenso direkt beim Hersteller gekauft werden wie zum Beispiel Decken aus Merinoschafwolle, Zitronen, Schafkäse oder Balsamicoessig.

Ernte mit Freundschaftsfaktor.
Ursprünglich stammt die Idee von einem spanischen Start-up und wurde mittlerweile weltweit schon mehrfach kopiert. Die Abwicklung ist einfach: Auf Onlineplattformen präsentieren ausgewählte „Farmer“ ihre Angebote, wer sich einloggt, kann einfach seine Erntemengen planen und entsprechend Geld überweisen. Dann arbeiten der Farmer und die Natur, bis die Ernte schließlich geliefert wird. Dank der Adoption der Crowd kann der Farmer seine Arbeit besser planen und zu einem bereits festgelegten Preis produzieren. Die Lieferkette ist transparent und auf Zwischenhändler kann dabei verzichtet werden. Ein wesentlicher Aspekt ist neben der planbaren Ernte vor allem die Qualität der Herstellung und das soziale Setting. So geben die Plattformen sehr genau Auskunft über die Anbaugebiete (z.B. via Webcam), die Form der Bewässerung und einschlägige Gütesiegel für den Bio-Anbau, aber auch zu Fragen, ob es sich um einen Familienbetrieb oder eine Kooperative handelt.

Dieser Artikel erschien
03_19. Vielleicht interessiert Sie auch: