TONKABOHNE

Betörendes Aroma

Die Tonkabohne war bis vor einigen Jahren in unseren Breiten nur einer kleinen Fangemein-schaft und der Edelgastronomie bekannt. Mittlerweile finden sich immer mehr Liebhaber der exotischen Samen – und das mit gutem Grund. Manche setzen sie der Vanille gleich, aber selbst dieser Vergleich wird ihr nicht gerecht.


Tonkabohnen, die meist getrockneten, braunen, runzeligen und länglichen rund fünf Zenti-meter langen „Bohnen“, sind eigentlich die Samen des Tonkabohnenbaums. Der gehört tatsächlich zur Familie der Hülsenfrüchte, ist aber mit heimischen Bohnen kaum vergleichbar. Die Samen stecken in den gelbschaligen Früchten des Tonkabaums, der vor allem im südamerikanischen Amazonas-Regenwald zu finden ist. Venezuela, Guyana, Brasilien, Peru und Kolumbien sind die Hauptanbaugebiete und Herkunftsländer. Längst reagieren auch andere Länder auf die rasant steigende Nachfrage, etwa andere südamerikanische Länder, dazu Kenia oder Nigeria. Cumarù wird das Holz des Tonkabohnenbaums genannt – man nennt es auch brasilianisches Teakholz, es ist rötlich-braun und heiß begehrt.

Vorsicht: Cumarin.
In ihren Ursprungsländern genießt die Tonkabohne einen hervorragen-den Ruf – nicht nur als Aromaquelle, sondern auch als Heilpflanze mit magischen Kräften. Die lateinamerikanischen Völker sagen ihr schützende und glückbringende Kräfte nach – Tonkabohnen werden noch heute getrocknet an Ketten um den Hals getragen. Wer sie in der Geldbörse mit sich herumträgt, der wird sich immer über Erfolg und Wohlstand freuen können – sagt der Aberglaube. Wissenschaftlich gibt es dafür freilich keinen Nachweis, doch manchmal versetzt eben allein der Glaube Berge.
Erwiesen ist jedoch der hohe Cumaringehalt der tollen Bohne.  Bis zu zehn Prozent, meist jedoch nur etwa zwei bis drei Prozent, beträgt der Anteil des Cumarins, eines Aromastoffs, der auch in Zimt, Datteln und Waldmeister vorkommt und in großen Mengen die Leber schädigen kann. Dabei wurde am Max-Rubner-Institut in Karlsruhe festgestellt, dass es nicht die Menge ist, die gefährlich werden kann, sondern ein kleiner Teil der Bevölkerung ist über-empfindlich gegenüber Cumarin und hier kann es zu Leberschädigungen kommen. Wird der Cumarin-Konsum eingestellt, bilden sich die Leberschäden auch wieder zurück. Cumarin wirkt auch blutgerinnungshemmend und wird deshalb in Arzneimitteln eingesetzt. Auch gegen Asthma, Husten, Tuberkulose (sic!) und Krämpfe soll Tonka soll helfen – so sehen das zumindest die Menschen in Lateinamerika, die länger schon auf das Plus der Tonkabohne setzen.

Weiter geht es in der aktuellen Print-Ausgabe.

Dieser Artikel erschien
02_21. Vielleicht interessiert Sie auch: