VERTRÄGLICH ODER NICHT

Alarm im Darm

Richtig essen, richtig bewegen, richtig leben – für den Umgang mit Beschwerden rund um den Darm gibt es unzählige Ratgeber. Meist sind die Ursachen aber dennoch nicht hinlänglich erforscht, sodass der Weg zur Diagnose Geduld und Mitarbeit erfordert.

Im Allgemeinen sind Bauchschmerzen harmlos und auch meist nach ein paar Tagen wieder verschwunden. Die Gründe kennen wir selbst meist zu gut: Wir haben beim Essen über die Stränge geschlagen. Zu viel, zu fett, zu stark gewürzt sind meist die Auslöser und führen bei den einen zu Blähungen und Verstopfung, bei den anderen möglicherweise zu Durchfall und Übelkeit. Mit ein wenig Schonung sind aber die Auswirkungen rasch in den Griff zu bekommen.
Dauern Bauschmerzen und die damit in Verbindung stehenden Symptome wie Blä­hungen, Verstopfung oder Durchfall länger  als drei Monate an, so wird dieser Um­stand in der Medizin als „Reizdarm“ bezeichnet. Etwa 15 Prozent der Bevölkerung, und  hier vorwiegend Frauen, sind von diesem Phänomen betroffen. Die Diagnose ist meist schwierig, denn auch bei bestimmen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Lebens­mittelallergien oder Schwächen der Bauspeicheldrüse treten ähnliche Symptome auf. Hinweise auf Reizdarm sind zum Beispiel der Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung, die Besserung der Beschwerden in der Nacht, nach dem Stuhl­gang oder bei Entspannung. Stress und Konflikte verschlimmern die Proble­matik meist deutlich und hier beginnt auch schon der Teufelskreis: Patienten mit unklaren und länger anhaltenden Bauschmerzen beschäftigen sich intensiv mit ihrer Krankheit und setzen sich damit zusätzlich unter Druck. Sie achten beim Essen auf jede kleine Reaktion, sind unsicher, welche Diät wohl die beste wäre, und stehen im Alltag damit oft stark unter Anspannung. Eine Einladung zum Abendessen kann für so manchen Reizdarm-Patienten zu einem unüberwindlichen Hindernis werden und sorgt für zusätzlichen Stress. Erschöpfung, Schlaf- und Angststörungen bis hin zu Depressionen können die Folge sein. Nicht selten werden die Beschwerden als „eingebildet“ abqualifiziert, weil sie schwer beweisbar sind.

Dieser Artikel erschien
02_19. Vielleicht interessiert Sie auch: