ERNTE VOM FENSTERBRETT

Regrowing: das zweite Gemüseleben

Ein neuer Trend macht sich breit und feiert insbesondere über Social-Media-Kanäle große Erfolge. Küchenreste werden einem neuen Leben zugeführt, indem sie noch einmal austreiben dürfen. Die zweite Ernte auf dem Fensterbrett eignet sich jedoch nicht für alle Sorten.


Auch wenn der Ertrag nicht kiloweise ausfallen wird,  so sorgt die zweite Ernte von Chinakohl, Jungzwiebel oder Minze doch für höchste Zufriedenheit – und deckt mitunter den täglichen Bedarf durchaus ab. Experimentierfreudige, Sparsame, ungeduldige Gartenfans, Umweltbewusste und Kinder sind dankbare Versuchs-personen, wenn es darum geht, aus Altem Neues wachsen zu lassen. Immerhin landet ein gutes Drittel aller Lebensmittel im Müll  und das behagt all jenen, die sie für die Müllberge verantwortlich fühlen, überhaupt nicht. Zu dieser Gruppe Menschen gehören auch Starköche wie Massimo Bottura und Anhänger der Zero-Waste-Welle, die das nicht weiter mit ansehen können und nach Lösungen gesucht haben. Gefun-den wurde ein besonders netter, einfacher und wirklich leicht umsetzbarer Trend zur Reduktion der Müllberge: Regrowing.                     
De facto handelt es sich bei Regrowing um eine vegetative, also ungeschlechtliche Vermehrung mittels Stecklingen. Die neuen Pflanzen sind übrigens Klone der Mutter-pflanze – denn ihr genetischer Steckbrief ist dem der Mutterpflanze gleich.

Salatnachschub in Eigenregie. Besonders gut geeignet für Regrowing sind bei-spielsweise Salate. Bleibt von Chinakohl oder Romana-Salat ein Strunk übrig, so beinhaltet er alle Zellinformationen, um daraus eine komplette Pflanze wachsen zu lassen. Die Zellen sind totipotent, das heißt, aus ihnen kann alles werden – von der Wurzel bis zum Blatt. Die Übung ist denkbar einfach: Ein sauberer, intakter, also nicht verfaulter oder verdorbener Strunk wird in etwas Wasser gesetzt, das täglich oder zumindest alle zwei, drei Tage erneuert wird. Das Gefäß mit Wasser und Strunk sollte warm und hell stehen, aber nicht in voller Sonne. Nun heißt es warten – schon bald zeigen sich erste Blättchen und kleine Wurzelansätze.

Dieser Artikel erschien
01_19. Vielleicht interessiert Sie auch: